Energiepreis-Krise

„Trifft Kunden geschätzt mit 500 Euro pro Jahr“

Österreich
19.11.2021 16:11

Die Kosten für Energie sind derzeit sechsmal so hoch wie im letzten Jahr und werden vermutlich weiter steigen. Draufzahlen müssen letzten Endes die Konsumenten. Aber warum ziehen die Preise derzeit so an? Und kann die Energiewende Abhilfe schaffen oder müssen wir uns nun einfach ans teure Heizen gewöhnen? Bei „Moment Mal“ klären Christina Lang vom Vergleichsanbieter Energy Hero und Karina Knaus von der Österreichischen Energieagentur im Gespräch mit Damita Pressl auf.

„Es trifft Kunden laut Schätzungen mit etwa 500 Euro im Jahr“, berichtet Lang, deren Unternehmen sich für Konsumenten um die niedrigsten Energiepreise bemüht. Viele Anbiete würden ihre Preise zum Teil massiv erhöhen; da, wo die Preissteigerungen noch nicht an den Konsumenten weitergegeben worden seien, sei es eine Frage der Zeit. Kleinere Anbieter würden ob der Preise an den Großhandelsmärkten zum Teil auch Pleite gehen, andere kündigen ihre Kunden, weil sie die vereinbarten Tarife nicht halten können.

Aber was oder wer ist an diesen enormen Preissteigerungen schuld? Einerseits ist die Nachfrage in Asien stark gestiegen, erklärt Knaus, andererseits war es aber nach der Krise auch ein allgemeines „starkes Anziehen der wirtschaftlichen Lage“. Sie erklärt: „Im Energiebereich kann man die Kapazitäten nicht über Nacht wieder hochfahren, da braucht es eine gewisse Vorlaufzeit.“ Hinzu käme der kalte Winter, und manche Analysten sehen auch Russland in der Schuld. Die Russen hätten Gas zurückgehalten, so der Vorwurf, um Druck beim Bau der Pipeline Nordstream 2 zu machen.

In den Zahlen, so Knaus, lässt sich tatsächlich ein Zusammenhang erkennen: „In den letzten Monaten wären freie Leitungskapazitäten da gewesen. Russland hätte mehr Erdgas nach Europa liefern können.“ Anfang November hatte es eine entsprechende Ankündigung gegeben, woraufhin die Preise sanken. Kaum aber wurde die Zertifizierung für die neue Pipeline gestoppt, erhöhten sich die Preise wieder - diese Abhängigkeit ist für Knaus ein klares Argument für den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Erneuerbare Energien sind zwar nicht notwendigerweise günstiger als die fossilen, so Lang, aber: „Durch die hohen Fossilpreise rechnet sich jetzt vielleicht die Kosten-Nutzen-Rechnung für den Umstieg“, sagt Knaus und rät Endkunden, sich zu informieren. Etwa könne man eine eigene Fotovoltaik-Anlage in Erwägung ziehen. Außerdem sollen Kunden möglichst oft wechseln, rät Lang - wobei die größeren Anbieter, etwa jene des Landes, oft die teureren sind.

Sie erinnert: Der Kunde darf Preiserhöhungen ablehnen und deswegen kündigen. Außerdem sollten Konsumenten sparsam heizen und energieeffiziente Geräte nutzen - letzten Endes werde es aber Unterstützung seitens der Politik und „Transferleistungen für energiearme Gruppen“ brauchen, so Knaus.

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