Aufsehen und Sympathie

Muslimin trennt sich nach 28 Jahren von Kopftuch

Wiener Muslimin trennt sich nach 28 Jahren von einer in der Gesellschaft umstrittenen Kopfbedeckung und sorgt für Aufsehen. Ihr schlägt eine Welle der Sympathie von Frauen entgegen.

Es war ein Paukenschlag, als Fatma Akay-Türker im Juni 2020 als Frauensprecherin bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) das Handtuch warf. Sie saß damals als einzige Funktionärin im Obersten Rat. Ein Jahr später ging die gebürtige Türkin in ihrem Buch „Nur vor Allah werfe ich mich nieder“ mit den herrschenden Zuständen hart ins Gericht und räumte mit dem Patriarchat auf.

Zum „Krone“-Interview erschien sie damals noch mit Kopftuch. Nun sorgt die Muslimin erneut für Aufsehen. Nach 28 Jahren hat sich die Historikerin endgültig von der Kopfbedeckung getrennt und zeigt sich in den sozialen Medien mit wallender Mähne - ein gewaltiger Schritt, den auch Ehemann und Vater unterstützen. Das Echo ist enorm. „Wenn wir diesen Mut hätten“, schrieben ihr Frauen, kurz nachdem sie das Bild in ihrem Account geändert hatte. Einige wollen die 46-Jährige unbedingt persönlich kennenlernen.

Kopftuchtragen: eine „Empfehlung“
Auf ihren Glauben wirkt sich das Weglassen des Kopftuchs nicht aus. Die Liebe zu Gott, dem Gesandten Allahs und dem Koran verändere sich dadurch nicht. „Das Tragen des Kopftuchs ist sowohl im Alten als auch im Neuen Testament für Frauen ein verpflichtendes Gebot. Im Gegensatz dazu gibt es im Koran unter 6236 Versen bezüglich Bekleidungsvorschriften nur drei Verse. Es sind offene Verse, keine Urteilsverse. Sie stellen also eine Empfehlung dar. Allah hat das sicher nicht umsonst so geordnet. Wenn Allah wollte, hätte er die Verse als Urteilsverse offenbaren können“, analysiert die Islamexpertin.

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Das Kopftuch zählt weder zu den fünf Säulen des Islams noch zu den Glaubensgrundsätzen.

Fatma Akay-Türker

Demnach handle es sich um Empfehlungsverse, die Menschen in den unterschiedlichen islamischen Ländern anders auslegen. Dies entspreche zwar der Universalität des Korans, der in jeden Kulturkreis und in alle Zeiten passe. „Diese Universalität nehmen die muslimischen Männer für sich in Anspruch, wollen sie jedoch den muslimischen Frauen verwehren“, kritisiert Akay-Türker. „Das Kopftuch zählt weder zu den fünf Säulen des Islams noch zu den Glaubensgrundsätzen“, so die Islamexpertin weiter.

Ihre Kopftücher will sie nun ihrer Mutter schenken. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass Politiker Frauenthemen nicht für eigene Zwecke instrumentalisieren. Es sollte im 21. Jahrhundert kein Thema mehr sein, wie eine Frau sich kleidet.

Martina Münzer-Greier
Martina Münzer-Greier
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Sonntag, 05. Dezember 2021
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