02.11.2021 12:30 |

Fußball

Bergers verrückte neue Welt namens Chengdu

Nach drei Wochen Quarantäne in einem Pekinger Hotel begann für den Salzburger Hans-Peter Berger das Fußball-Abenteuer China. Der Ex-Bundesliga-Goalie ist beim aufstrebenden Zweitligisten Chengdu als einziger Europäer bei einem gigantischem Projekt Teil des Teams von Ex-Österreich-Legionär Jung-won Seo – als neuer Tormanntrainer.

Bis Mitte September kümmerte sich Ex-Bundesliga-Goalie Hans-Peter Berger als Tormanntrainer bei Regionalligist Seekirchen um Nico Tezzele, Bernhard Hansen oder Severin Heuberger. Nun heißen seine Schützlinge Yan Zhang, Zhang Yinuo und Xing Yu. „Ein paar Brocken Chinesisch kann ich ja schon“, schmunzelte der 40-jährige Salzburger. Der seit Anfang Oktober beim chinesischen Zweitligisten Chengdu Rongcheng „Head of Goalkeeping“ ist – der Tormannchefcoach.

Fußballakademie um 200 Millionen Euro im Entstehen
Bei einem Fußball-Projekt in der 16-Millionen-Metropole Chengdu, das seinesgleichen sucht. „Chengdu baut eine Fußballakademie um 200 Millionen Euro, mit 18 Rasenplätzen, vier Kunstrasenplätzen und zwei Trainingshallen samt 2500 Zimmern. Anfang 2023 soll es fertig sein“, berichtete Berger.

Dazu ist der Aufstieg in die chinesische Super League, in der bis vor kurzem auch Marko Arnautovic kickte, quasi Pflicht. Bei dieser Mission soll Berger helfen. „Mein ehemaliger Mitspieler bei Ried, der Koreaner Jung-won Seo, ist dort Trainer. Und er hat mich schon im Juni gefragt, ob ich mir das vorstellen könne. Ich habe meine eigene Tormannakademie aufgebaut, bin seit einigen Jahren Tormanntrainer bei Österreichs Nachwuchsauswahlen. Er wollte mich unbedingt.“

Sehr viel Vertrauen in europäische Trainer
So schnell ging es aber nicht. „Ich habe ja auch Frau und Kind zu Hause.“ Allerdings reifte bald der Entschluss, es zu machen. „Ich habe mich bei Richi Kitzbichler erkundigt, der unter Roger Schmidt in China als Co-Trainer gearbeitet hat. Ich wollte schon immer im Ausland arbeiten. Und die wollen dort etwas bewegen, mit enormem Speed. Als europäischer Trainer kriegst du sehr viel Vertrauen.“ Zudem passt die Bezahlung.

Einreise nach China war ein Spießrutenlauf
Aber allein die Einreise war ein Spießrutenlauf, den nicht jeder auf sich nimmt. Obwohl Berger zweimal geimpft war, musste er in Peking drei Wochen in Quarantäne. „Ich habe Mitte August das Arbeitsvisum erhalten, bin am 18. September eingereist und drei Wochen im Quarantäne-Hotel gesessen.“ Ohne das 20-Quadratmeter-Zimmer auch nur einen Schritt zu verlassen. Essen wurde dreimal täglich vors Zimmer gestellt.

Berger kann mit Brasilien-Legios Portugiesisch sprechen
„Das ist hart, aber mit Work-outs, Fernsehen und Video-Telefonie ist es irgendwie gegangen.“ Erst danach durfte Berger ins drei Flugstunden entfernte Chengdu reisen. „Ich wohne in der Akademie, die 40 Appartements zur Verfügung hat und eine Autostunde vom Zentrum entfernt ist.“

Trainingsstart für ihn war am 11. Oktober. „Es sind drei Legionäre pro Mannschaft erlaubt. Bei uns sind es drei Brasilianer. Da ich aus meiner Portugal-Zeit Portugiesisch spreche, hilft mir das sehr. Ansonsten kommt man mit Englisch über die Runden. Ich habe bei jedem Training aber auch einen Dolmetscher.“

Weihnachten will Berger zu Hause verbringen
Die vierte Phase der Meisterschaft startet nächste Woche. Bis Mitte Dezember sollte klar sein, ob Chengdu (aktuell Vierter) aufsteigt. Bergers Ziel ist, über Weihnachten nach Hause zu fliegen. „Aber aufgrund der Corona-Lage ist alles sehr unsicher. Deswegen habe ich mit dem Klub ausgemacht, dass wir uns bis Jänner anschauen, wie es läuft. Grundsätzlich wäre der Plan, dass ich zweieinhalb Jahre bleibe.“ In einer neuen, verrückten Welt. „Wenn du in der Stadt etwa Essen bestellst, wird dir das per Drohne angeliefert.“

Herbert Struber
Herbert Struber
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