31.10.2021 06:00 |

Schlechte Vorzeichen

Schatten über UNO-Klimagipfel in Glasgow

Keine guten Vorzeichen gibt es für den in Glasgow beginnenden UNO-Klimagipfel. Dabei geht es um die Zukunft der Menschheit.

Er steht definitiv unter düsteren Vorzeichen, dieser Klimagipfel. Denn die Briten hat es mitten ins Herz getroffen, dass Ihre Majestät - wie berichtet - die Teilnahme am „global eco-summit“ hat absagen müssen. Immerhin: Königin Elisabeth II. schickt als würdige Vertreter ihren Sohn Prinz Charles sowie ihr Enkerl Prinz William mit seiner Ehefrau Herzogin Kate in den Norden des Vereinigten Königreichs, das vielleicht in naher Zukunft nicht mehr „united“ sein wird. Schottlands First Lady Nicola Sturgeon befürchtet allerdings ein anderes Chaos als jenes eines Unabhängigkeitsreferendums. Flehentlich bittet sie radikale britische Demonstranten um Zurückhaltung. Indes wurde die schwedische Aktivistin Greta Thunberg bei ihrer Ankunft am Bahnhof von Glasgow von Hunderten Fans umringt und bejubelt.

Auch sonst geht der Gipfel mit einer schweren Hypothek über die Bühne. Denn am Freitag hätte das Weddelmeer als eines von mehreren Paradiesen am Südpol unter Schutz gestellt werden sollen. Doch bei der Antarktiskonferenz sprach sich eine Mehrheit dagegen aus. „Dabei sind die Pole Brennpunkte des Klimawandels. Von ihnen hängen Dramatik und Beschleunigung der Erderwärmung ab. Samt globalen Überflutungen“, so die heimische Greenpeace-Aktivistin Sarah Scharf, die im Vorfeld an Bord der „Arctic Sunrise“ im Ewigen Eis unterwegs war.

Inzwischen erreichen die jetzt in Glasgow eintrudelnden Delegationen mit insgesamt 25.000 Teilnehmern sogar mahnende Worte des Heiligen Vaters. In seiner Ökobotschaft ruft Papst Franziskus von Rom aus die Menschheit zur gemeinsamen Verantwortung für die Schöpfung auf. Politiker werden zu radikalen Maßnahmen aufgefordert.

Am Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 erhitzen sich im Vorfeld indes die Öko-Geister. Dieser ermöglicht - zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele - zwischen den Staaten einen regen Emissionshandel. Greenpeace-Chef Alexander Egit sieht das für Glasgow als Fallstrick: „Das befeuert den zwielichtigen Kohlenstoff-Schwarzmarkt.“

Daten & Fakten

Die in der schottischen Industriestadt Glasgow stattfindende Klimakonferenz ist die wichtigste und historisch bedeutendste seit der COP von Paris. In Großbritannien wird sich zeigen, ob das Versprechen der Staaten, gemeinsam auf das 1,5-Grad-Ziel hinzuarbeiten, zu erfüllen sein wird. Jedes Land ist gefordert, Umweltschutzpläne vorzulegen, die in Summe die Erderhitzung auf 1,5 Grad beschränken sollen. Die jetzigen Maßnahmen der Staaten verfehlen dieses Ziel klar - es gilt also für alle, unbedingt nachzubessern! Denn mit den jetzigen Versprechungen der einzelnen Länder rasen wir auf eine für die Menschheit fatale 2,7-Grad-Erhitzung zu.

„Eigentlich haben wir keine Zeit mehr“
Sie studiert in der US-Eliteuniversität Havard. Ab Sonntag ist die 22-jährige Österreicherin Kami Krista beim UNO-Gipfel eine starke Stimme der Jugend.

„Krone“: Hat die Menschheit überhaupt noch eine Chance, den Klimawandel zu überleben?
Kami Krista: Der Mensch wird als Spezies definitiv weiter auf der Erde sein. Die Frage ist nur, wo und wie viele Menschen einen möglichen Klimakollaps überleben können.

Also muss es schleunigst intensivere Maßnahmen geben, um die immer rapidere Erderwärmung zu stoppen?
Ja, definitiv, aber wenn wir am 1,5-Grad-Reduktionsziel festhalten, habe ich wenig Hoffnung. Die meisten Wissenschafter gehen zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin von einer 2-Grad-Steigerung aus.

Sie sind pessimistisch?
Sonnige Aussichten sind das nicht. Wenn wir die Entwicklung nicht durch globale Kraftanstrengung aller Staaten umkehren, sehe ich schwarz. Wir wissen ja nicht, ob sich das Klima durch bisher noch nicht erforschte Phänomene mehr erhitzt als bisher prognostiziert.

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Wir stehen vor dem Abgrund. Vor allem die großen Industrieländer dieser Welt unternehmen zu wenig.

Kami Krista

Wie viel Zeit haben wir bestenfalls noch?
Eigentlich überhaupt keine mehr. Der Kipppunkt naht. Wir stehen vor dem Abgrund. Vor allem die großen Industrieländer dieser Welt unternehmen zu wenig.

Aber es passiert doch ohnehin so viel?
Lassen Sie mich ein Beispiel bringen! Weltweit fließen pro Minute elf Millionen US-Dollar in die Subvention fossiler Brennstoffe.

Diese Zahl stimmt tatsächlich, oder sind das irgendwelche alarmistischen Meldungen aus dem Netz?
Die Quelle ist völlig unverdächtig. Denn das hat der sicherlich unbeeinflussbare Internationale Währungsfonds jüngst berechnet.

Was kann denn der Einzelne angesichts dieser globalen Umwelt-Dramatik tun?
Jeder hat es in der Hand, durch bewussten Konsum das Ruder herumzureißen.

Mark Perry
Mark Perry
Christoph Matzl
Christoph Matzl
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