Requisiten-Experte:

„Scharfe Munition hat am Filmset nichts zu suchen“

Adabei
23.10.2021 23:26

Die Trauer über den Tod von Halyna Hutchins (42) ist groß: Die Kamerafrau wurde beim Dreh von „Rust“ durch einen Schuss von US-Schauspieler Alec Baldwin tödlich verletzt. Viele fragen sich, wie es möglich war, dass die Requisitenwaffe offenbar mit scharfer Munition geladen war. Einer, der sich mit dem Thema auskennt, ist Guillaume Delouche. Er ist Requisiteur und sagt: „Scharfe Munition hat am Filmset nichts zu suchen.“

Baldwin, der bei dem Low-Budget-Western nicht nur als Darsteller, sondern auch als Produzent mit an Bord ist, war laut übereinstimmenden Berichten davon ausgegangen, dass die Requisitenwaffe nicht mit scharfer Munition geladen war. Die „New York Times“ etwa zitierte aus einem Polizeibericht, wonach ein Regieassistent die Waffe an Baldwin übergeben und gesagt habe, es handle sich um einen „kalte Waffe“ - also um eine mit nicht scharfer Munition.

Viele fragen sich nun, wie diese Verwechslung möglich war. Der aus Frankreich stammende Guillaume Delouche arbeitet in Hollywood. Er ist seit vielen Jahren Experte in Branche und versorgt Filmemacher mit Waffen für ihre Drehs. Der tragische Unfall ist für ihn kaum zu erklären.

„Man kann niemanden innerhalb von sechs Metern vor eine Waffe stellen"
„Es ist wichtig, dass es keine scharfen Patronen gibt“, so Delouche. „Wenn wir fürs Training von Schauspielern scharfe Munition verwenden, was völlig normal ist, dann am Schießstand. Aber am Set hat scharfe Munition nichts zu suchen.“ Es gebe ein ganzes Protokoll zu befolgen, wenn Platzpatronen in eine Waffe gesteckt würden.

„Wir kündigen es mehrmals an, wir lassen es auch die Crew-Mitglieder sehen, und wenn jemand zum Beispiel einen Dolly (Kamerawagen, Anm.) schiebt, und wir haben auch sehr strenge Sicherheitsabstände. Man kann niemanden innerhalb von sechs Metern vor eine Waffe stellen."

Für Delouche ist vor allem die Arbeit der Requisiteure wichtig, denn Schauspieler müssten sich auf andere Dinge konzentrieren. „Die Schauspieler müssen sich an ihren Text erinnern, daran, an ihrer Markierung zu stehen, um im Kamerafokus zu sein, und sie müssen an viele andere Sachen denken, auch an ihre Rolle. Es ist also die Aufgabe des Requisiteurs, sich zu vergewissern, dass der Schauspieler die Waffe in einer sehr fließenden Art benutzen wird. Und es ist unsere Aufgabe, an die Sicherheit zu denken - nicht die des Schauspielers."

Brisante Aussagen der Waffenmeisterin
Im speziellen Fall hatte Regieassistent Dave Halls Baldwin die Waffe als „Cold Gun“ überreicht. Es sei laut US-Medien seine Aufgabe, aber auch Aufgabe der Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed gewesen, zu prüfen, ob von der Waffe tatsächlich keine Gefahr ausgeht, heißt es. Brisant dabei ist: Die junge Waffenmeisterin hatte kurz vor ihrem Engagement beim Baldwin-Dreh in einem Podcast erzählt, dass sie Zweifel hatte, ob sie für diesen Job geeignet sei.

Vor allem das Laden von Platzpatronen, das sie von ihrem Vater, einem Waffenmeister und Revolver-Experten, der unter anderem bei „Django Unchained“ dabei war, gelernt hatte, habe ihr Furcht eingeflößt, so die Waffenmeisterin. „Rust“ sei erst der zweite Film der 24-Jährigen gewesen, an dem sie als Waffenmeisterin gearbeitet habe. Zuvor kümmerte sie sich um die Waffen in dem Nicolas-Cage-Streifen „The Old Way“. 

Wie genau es zu dem Unfall kam, der zum Tod von Hutchins führte, wird nun untersucht. Auch Berichte, dass es schon vor dem tödlichen Unfall am Set Beschwerden über Sicherheitsmängel am Drehort gegeben habe. Dreimal habe der Filmrevolver schon fehlgezündet, sagten Crewmitglieder. Insidern zufolge wurden Sicherheitsprotokolle, einschließlich Waffeninspektionen, wie sie sonst üblich sind, am Set nicht eingehalten.

Die Dreharbeiten zu dem Low-Budget-Western hatten Anfang Oktober auf der Bonanza Creek Ranch begonnen. Auf dem Gelände nahe einer früheren Goldgräberstadt in der Wüste New Mexicos wurden bereits zahlreiche Filme produziert.

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(Bild: kmm)



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