21.10.2021 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Erbsünde

Es war ein müder Rachefeldzug, den der um viele Jahre gealterte Ex-Kanzler Christian Kern - nach Interviews im „Standard“ und im „Falter“ - am Dienstagabend in der „ZIB 2“ fortführte. Die aufgetauchten Chats, so Kern, seien der Beweis, dass die Truppe um Sebastian Kurz die Arbeit der Großen Koalition massiv sabotiert und den damaligen ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner schließlich zu Fall gebracht habe.

Als Armin Wolf ihn damit konfrontierte, dass die Popularitätswerte von Sebastian Kurz einfach viel höher gewesen seien als jene seines Vize, widersprach Kern keine Sekunde. Auch die Feststellung, dass Inseratenkorruption nicht erst die ÖVP erfunden habe, sondern diese schon unter SPÖ-Chef Werner Faymann „gepflegt“ worden sei, korrigierte der Ex-Kanzler nicht. Das sei eine „Erbsünde“ der SPÖ, stellte er fest, und „Politik eben kein Kindergeburtstag“.

Auf die Frage, ob Hans Peter Doskozil ein besserer SPÖ-Vorsitzender wäre als seine von ihm lancierte Nachfolgerin Pamela Rendi-Wagner konnte man beinahe die Ankündigung eines bevorstehenden Wechsels an der Spitze heraushören. Die Partei habe so viele gute Kandidaten, die „voller Tatkraft in den Startlöchern scharren“. War diese Spekulation vielleicht der Sinn seines Auftritts?

Nicht mehr Kanzler zu sein, das macht so manchem Ex-Regierungschef offenbar schwer zu schaffen. Tief gefallen ist bis jetzt keiner von ihnen. Das könnte dereinst auch bei Sebastian Kurz so sein.

Conny Bischofberger
Conny Bischofberger
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