15.10.2021 17:34 |

„Mehrfach zugestochen“

Britischer Politiker stirbt nach Messerattacke

Ein britischer Parlamentsabgeordneter der regierenden Konservativen Partei ist am Freitag von einem Angreifer mit einem Messer getötet worden. Der 69-jährige Politiker David Amess habe sich in einer Kirche in Leigh-on-Sea östlich von London mit Personen aus seinem Wahlkreis getroffen, als der Angreifer sich auf ihn stürzte und mehrmals auf ihn einstach, teilte die Polizei mit. Amess sei von Rettungskräften behandelt worden, aber noch am Tatort gestorben. Die Polizei habe einen 25-jährigen Mann festgenommen und ein Messer sichergestellt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Man suche keine weiteren Verdächtigen, so die Polizei, die nichts über das mögliche Motiv der Tat sagte. Der Vorfall habe sich während einer Bürgersprechstunde in der Grafschaft Essex abgespielt. 

Johnson: Einer der „liebenswertesten und freundlichsten Menschen“
Premierminister Boris Johnson brach einen Kabinettsausflug nach Bristol ab und kehrte in den Regierungssitz Downing Street zurück. Dort wehen die Flaggen mittlerweile auf halbmast. Die Herzen aller seien erfüllt von „Schock und Traurigkeit“, so Johnson am Freitag tief betroffen zu Reportern. Amess sei einer der „liebenswertesten und freundlichsten Menschen in der Politik“ gewesen. Zu den möglichen Hintergründen der Tat äußerte er sich nicht.

Video: Polizei ermittelt am Tatort

„Ein echter Gentleman“
Von mehreren Seiten kamen bereits Beileidsbekundungen für Amess. Die Frau von Premierminister Boris Johnson, Carrie Johnson, schrieb auf Twitter: „Absolut schreckliche Neuigkeiten über Sir David Amess. Er war enorm freundlich und gut. Ein riesiger Tierliebhaber und ein echter Gentleman. Das ist so ungerecht. Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Kindern.“

Vize-Premierminister Dominic Raab würdigte Amess als „Politiker mit gesundem Menschenverstand und einen Wahlkämpfer mit großem Herz und enormer Großzügigkeit - einschließlich für die, die nicht einer Meinung mit ihm waren“. Unterhaussprecher Lindsay Hoyle zeigte sich „schockiert und zutiefst getroffen“. Der Vorfall werde „Schockwellen durch die parlamentarische Gemeinschaft und das ganze Land senden“, so Hoyle auf Twitter.

Er sei „schockiert und traurig“ über den Tod des konservativen Abgeordneten, teilte der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz des Landes, Kardinal Vincent Nichols, laut Kathpress über Twitter mit. Er bete für die Seele des Verstorbenen, seine Familie und Mitarbeiter, so der Erzbischof von Westminster.

Ähnlich äußerte sich der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, über den Kurznachrichtendienst. „Wenn wir unsere Demokratie bewahren wollen, müssen unsere gewählten Volksvertreter ohne Furcht vor Gewalt oder Einschüchterung leben und arbeiten können.“

Über David Amess

David Amess, ein verheirateter Vater von fünf Kindern, wurde 1983 zum ersten Mal ins britische Parlament gewählt. Er wurde 2015 von Königin Elizabeth für seine Verdienste zum Ritter geschlagen. Der Katholik galt als erzkonservativer Brexit-Befürworter, der sich gegen das Recht auf Abtreibung, gegen Drogen und für Tierrechte einsetzte. Er war auch ein entschiedener Gegner der Fuchsjagd. Anders als viele seiner konservativen Parteifreunde stammte Amess nicht aus einer reichen Familie und besuchte auch keine Privatschule oder Elite-Universität. In einem Vorort von London in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, verdiente er zunächst als Lehrer und Personalberater sein Geld, bevor er sich vom Kommunalpolitiker zum Abgeordneten hocharbeitete.

Der Fall erinnert an den Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox im Jahr 2016. Sie wurde - ebenfalls bei einer Bürgersprechstunde in ihrem Wahlkreis - von einem Rechtsextremisten angegriffen und starb an ihren Verletzungen. Der Mord ereignete sich nur wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum.

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