13.10.2021 18:00 |

Prozess um Mordversuch

„Grenzt an ein Wunder, dass das Opfer noch lebt“

Nüchtern und in kurzen Sätzen erzählt Michael L., wie er auf einen Mann schoss, den er erst tags zuvor kennengelernt hat. Die Arme verschränkt, Emotionen Fehlanzeige. Aber: Töten wollte er nicht, meint der zehnfach vorbestrafte Kriminelle.

Schüsse in den Bauch, in die Hüfte, in den Oberschenkel. Drei Monate Koma, zwölf Operationen, sogar eine Reanimation am offenen Herzen. Staatsanwältin Elena Haslinger sagt es klipp und klar: „Dass das Opfer noch lebt, grenzt an ein Wunder.“ Von „acht Schüssen auf einen wehrlosen Mann“ spricht die Anklägerin - eine Vorgangsweise, die einen Overkill, eine emotional beladene Tat suggeriert. Nur: Der zehnfach vorbestrafte Niederländer (32) und das Opfer, ein Geschäftsmann aus Wien (40), kannten sich erst einen Tag lang.

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Ich wollte ein neues Leben führen.

Der angeklagte Michael L.

Fünf Gefängnisstrafen seit dem 18. Lebensjahr
Beide wollten in Zell am See ein neues Leben beginnen: Das Opfer betrieb erst seit Kurzem einen E-Scooter-Verleih. Und der Angeklagte wollte als Tätowierer Karriere machen, sagt er im Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes Salzburg. Erst im April hatte L. das Gefängnis in den Niederlanden verlassen - fünfmal saß er schon hinter Gittern, seit er 18 ist. Über seine Vergangenheit spricht L. aber nicht - einzig, dass er früher mit Drogen zu tun hatte. In Zell am See aber wollte er „ein neues Leben führen“.

Am 7. Juli traf er auf das Opfer und bat es um Hilfe: Einerseits wegen einer Western Union-Filiale, anderseits wegen einer Verabredung: L. wollte in Flintsbach einen Freund nachts abholen – etwa eineinhalb Autostunden entfernt. Zuvor saß er mit dem Geschäftsmann zusammen, Wodka floss. Man sprach über Kokain, und über Waffen: L. meinte, dass das Opfer ihm seine Pistole abkaufen wollte – eine Walther PPK.

Später im Auto konnte der Geschäftsmann nicht mehr fahren, es gab Streit. „Er hat die Pistole auf mich gerichtet. Ich konnte ihn überwältigen und die Pistole weggeschlagen.“ Dabei soll sich ein Schuss gelöst haben, meint L. in seiner Version.

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Ich habe nur auf die Beine gezielt.

Michael L.

Schmauchspuren belasten Angeklagten
Dann griff sich der 32-Jährige die Waffe und entleerte das Magazin: „Ich habe nur auf die Beine gezielt.“ Statt an Rettung zu denken, ging er aber nach Hause, lud nach, kehrte zurück und schoss wieder auf das Opfer – dies bestreitet L. trotz eindeutiger Schmauchspuren.

Er bestreitet aber nicht, dass er den Schwerverletzten in den Kofferraum verfrachtete, sieben Kilometer weit zu einem Wald fuhr und den 40-Jährigen über einen Abhang warf. „Um ihn zum Sterben zurückzulassen“, so Haslinger. Die Waffe hatte er übrigens, „um sich selbst zu schützen“, übersetzte der Dolmetscher. Wovor, wollte L. nicht sagen. Auch nichts zu seinen „alten Problemen in Holland“. Donnerstag und Freitag wird weiterverhandelt.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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