14.09.2020 16:21 |

Mordversuch in Zell

Schlüsselkarte führte Polizei zum Verdächtigen

Anfang Juli hallten sechs Schüsse durch das Zentrum von Zell am See (Salzburg): ein versuchter Mord an einem Wiener Geschäftsmann (39). Der Mann überlebte, lag einige Tage im Koma. Der mutmaßliche Schütze, ein Niederländer (31), wurde noch in der Nacht festgenommen. Er kann sich nicht mehr erinnern, sei zu betrunken gewesen. Und er meint auch: „Ich bin kein Mensch, der jemanden erschießt.“

Es war der 8. Juli, ein Mittwoch, 2.30 Uhr. Alarm bei der Polizei. Passanten hatten eine regungslos am Boden liegende Person vermeldet, danach noch Schüsse gehört. Vor Ort entdeckten die Polizisten eine Blutspur, und sie fanden eine Kappe, einen weißen Sportschuh und eine Schlüsselkarte. Für ein Appartement in der nahen Seilergasse.

Schlüsselkarte am Tatort gefunden
Kurz nach drei Uhr erreichten die Polizisten das Appartementhaus, trafen davor einen Urlauber. Der Mann hatte seine Schlüsselkarte verloren. Genau jene, die die Polizisten zuvor gefunden haben. Am Boden lag zudem noch ein Mercedes-Schlüssel - passend zum Auto des Wiener Geschäftsmannes. Klare Hinweise zur Tat, die sich danach in dem Appartement des Urlaubers noch verdichteten: Ausgerechnet der Ausweis des Mordversuchs-Opfers lag dort. Und Munition. 20 bis 30 Patronen, Kaliber 7,65 - passend zu einer Kleinpistole der Marke Walther.

Allein diese Indizien deuten daraufhin, dass der Niederländer abgedrückt hat.

Nach der Festnahme des Mannes erreichte ein Notruf des Angeschossenen die Polizei: Der Wiener mit arabischen Wurzeln lag schwer verletzt auf einem Feldweg in Piesendorf – etwa zehn Kilometer vom Tatort entfernt. Sein Mercedes dagegen wurde später beim Appartementhaus gefunden: mit zerbrochener Seitenscheibe, Einschusslöchern und einer Walther PPK auf dem Beifahrersitz – der mutmaßlichen Tatwaffe.

Sechs Schüsse wurden auf das Opfer abgefeuert
Doch war es wirklich der Urlauber? Der Niederländer, der erst seit drei Wochen in Zell weilte, meinte im Verhör: „Ich bin kein Mensch, der einfach einen anderen erschießt.“ Den Geschäftsmann, der bis dato auch erst wenige Monate in Zell lebte und hier einen E-Scooter-Verleih führte, habe der Niederländer überhaupt am gleichen Tag kennengelernt. Der 31-Jährige ließ sich vom Geschäftsmann helfen, abends tranken sie gemeinsam Wodka und Bier. Derart viel, sodass der Mordverdächtige von Erinnerungslücken spricht. „Ich verstehe es selbst nicht, dass ich mich an nichts erinnern kann“, meinte er im Verhör. Und: „Wenn ich es getan habe, dann tut es mir leid.“

Liegt der Hintergrund des Mordversuchs gar in einem alkoholgetränkten Streit? Es scheint so, die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Dem Opfer gehe es, nachdem es kurzzeitig in künstlichem Tiefschlaf war, wieder etwas besser, sagt Opferanwalt Stefan Rieder.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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