29.09.2021 11:55 |

krone.at-Kolumne

Was Sebastian Kurz zu denken geben muss ...

Dass zwei Kleinstparteien in Graz und in Oberösterreich derart abräumen werden, hatte keiner am Radar - vielleicht aus Ignoranz, vielleicht aber auch aus Arroganz. Das Ergebnis sollte Sebastian Kurz aber jedenfalls zu denken geben. In unserer Gesellschaft etabliert sich gerade ein neues Politikverständnis.

Lange galt der glatte „neue Stil“ der Türkisen als Goldstandard für politischen Erfolg. Eine messerscharf geschliffene Rhetorik, perfekt durchinszenierte Bilder, eine gewisse Internationalität und Verantwortungsträger als junge, fesche Role-Models waren der Garant für viel Aufmerksamkeit, Wählervertrauen und auch starke Wahlergebnisse. Das sollte sich mit dem vergangenen Sonntag ändern.

Altparteien können sich warm anziehen
Denn an diesem Tag wurde eine neue Ära des Politik-Verständnisses eingeleitet. Der gestriegelte Berufspolitiker musste sich doch tatsächlich gegen wahlkampftechnisch recht unbeholfene Kleinparteien geschlagen geben! Ist das das Ende der Politik, wie wir sie kennen? Ja! Die Altparteien können sich warm anziehen.

Erfolgsformel der KPÖ: Mit den Menschen reden!
Da ist zum Beispiel die KPÖ: Dass die Kommunisten neben China, Kuba und Nordkorea ausgerechnet in Graz so stark sind, hat ja schon etwas Skurriles. Dabei ist ihr Erfolgsrezept so einfach wie genial: Sie setzten im Wahlkampf nicht auf eine chice Plakatkampagne, sondern aufs altbewährte Reden! Aber nicht nur die Bürger-Sprechstunden kamen gut an, sondern auch, dass die KPÖ-Politiker zwei Drittel ihres Gehalts an Bedürftige spenden. Diese Bescheidenheit ist beeindruckend!

MFG ist eine schallende Watsche an Regierung
Das Erfolgsgeheimnis von MFG ist ein etwas anderes. Die Liste konnte den Frust jener Menschen bündeln, die sich von der Corona-Politik der klassischen Regierungsparteien ausgegrenzt fühlen. Wenn „Nein zum Impfzwang“ als Programm reicht, um in einen Landtag einzuziehen, muss auch das Kanzler Kurz zu denken geben. Offenbar schlummert in vielen offenbar eine derartige Unzufriedenheit, die sich in der Wahlkabine entlädt. Diese Watsche an die Etablierten hat ordentlich gesessen!

Was die Altparteien verlernt haben …
Wenn unsere Politiker also verhindern wollen, dass noch mehr Menschen zu Kleinparteien abwandern, müssen sie gerade jetzt ganz genau hinhören. Für einen Wahlerfolg reicht keine perfekte Kampagne mehr, in unserer Gesellschaft gibt es offenbar die Sehnsucht nach einem Gehört-Werden. Die Altparteien haben das über die Zeit verlernt. Zuhören, mit den Menschen reden und sensibel sein, ist wieder in - dann klappt es auch wieder mit den Wahlergebnissen.

Katia Wagner
Katia Wagner
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