26.09.2021 09:25 |

Portrait

Kreativität sollte ein Pflichtfach sein

Sein Motto lautet: „Ich bin nicht Artist, sondern Partist.“ Dieses Kulturverständnis setzt Thomi Scheiderbauer derzeit auch im Bregenzer Magazin 4 mit seinem „Kreissaal“ um.

„Beim Reda kumman d’Lütt zämm“, lautet eine Volksweisheit. Dass sie überhaupt wieder reden und zusammenkommen, ist in Zeiten wie diesen erfreulich. Und wenn sie sich dabei über Themen wie Kunst, Kommunikation oder Kooperation austauschen - umso besser. „Der Kreis ist die demokratischste Struktur überhaupt. Alle sind auf Sitz- und Augenhöhe, Hierarchien werden aufgelöst“, erklärt Thomi Scheiderbauer die Grundidee hinter seinem Projekt „Kreissaal“, bei dem sich Menschen zusammenfinden und offen diskutieren.

„Mein Vater, selbst Künstler und Designer, hat mir das Spielen nie verdorben“, schwärmt Thomi noch heute von den Freiheiten seiner Kindheit. Auch als Jugendlicher durfte er seine Kreativität voll ausleben: „Bereits mit 13, 14 Jahren habe ich in der alternativen Schülerzeitung ’Rübe’ in Form von Fotos und Zeichnungen rebelliert“.

Meisterklasse in Wien
Lange hielt es ihn allerdings nicht an der Schule, er schloss lieber eine Lehre zum Fotografen ab („Das erste Mal, dass ich Lernen geil fand“) und absolvierte anschließend an der „Graphischen“ in Wien die Meisterklasse für Fotografie. „Da waren die Würfel endgültig gefallen“, so der seitdem interdisziplinär arbeitende Künstler, dessen Schaffen Fotografie, Architektur, Video- und Audio-Kunst aber auch soziale, kommunikative und kuratorische Arbeiten umfasst. Seit fast vier Jahrzehnten wohnt und arbeitet Thomi vorwiegend im mediterranen Raum - erst in Spanien, dann in Ägypten und seit zehn Jahren im süditalienischen Lecce. Rund ein Viertel der 100.000 Einwohner Lecces sind Geflüchtete aus Afrika - und die liegen Thomi ganz besonders am Herzen. „K.O.G.“ - das steht für „Künstler ohne Grenzen“ - nennt er sein Projekt mit und für Migranten. Der alternative Stadtplan „Leccebilita“, ein exklusives Produkt für den Straßenverkauf, ist nur eines der Ergebnisse der Initiative. „Die Selbstverständlichkeit, wie dort Menschen unterschiedlichster Ethnie und Religion zusammenleben, unterscheidet diese Ecke der Welt von Mitteleuropa“, begründet Thomi sein Faible für den Süden.

Aber auch hierzulande ist Thomi recht umtriebig. Obwohl noch keine 60 Jahre alt, erhielt er bereits 2019 den Kunstpreis des Landes für sein Lebenswerk. Großen Zuspruch findet auch der „Kreissaal“, der einen Monat lang im Bregenzer Magazin 4 nahezu täglich über die Bühne geht: „Es beteiligen sich viele kreative, interessierte und talentierte Menschen. Schade ist, dass diese zu selten an einem Strang ziehen", so sein erstes Resümee. Andererseits: Beim Reda kumman d’Lütt zämm. Der Kreissaal wartet - noch bis 17. Oktober.

Raimund Jäger
Raimund Jäger
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