23.09.2021 16:54 |

EuroSkills in Graz

Berufs-EM: 54 Österreicher kämpfen um Medaillen

Am Donnerstag fiel der Startschuss zu den EuroSkills, den Europameisterschaften der Berufe, in Graz. Dort rittern bis Samstag die Top-Fachkräfte um die begehrten Medaillen. 54 Österreicher sind mit dabei - ein Rundgang im großen Gelände beim Schwarzlsee.

Gebannt sitzen die jungen Männer auf ihren Stühlen, gehen ein letztes Mal die Aufgabenstellung und ihren Arbeitsplan durch. Auf dem Bildschirm vor ihnen läuft ein Countdown: Noch zehn Sekunden - dann heißt es „alles oder nichts“. Plötzlich ertönt eine Fanfare. Blitzschnell springen die Kandidaten auf, laufen zu den ihnen zugeteilten Plätzen, um sich dort sofort an die Arbeit zu machen. Der Kampf um die Medaille in der Disziplin „Kälte- und Klimatechnik“ ist offiziell eröffnet!

In insgesamt 48 unterschiedlichen Bewerben matchen sich die Fachkräfte und Absolventen berufsbildender höherer Schulen unter 26 Jahren bis inklusive Samstag auf einer Fläche von insgesamt 70.000 Quadratmetern im Schwarzl Freizeitzentrum.

400 Teilnehmer aus 22 Ländern
Unter den 400 Teilnehmern aus 22 Ländern ist auch Österreich mit einem Team aus 54 Nachwuchs-Fachkräften vertreten. In Einzel- oder Teambewerben treten sie gegeneinander an. So auch die beiden Steirerinnen Laura Tschiltsch und Christina Strauß. Bei ihnen ist der Wettbewerb „Mode Technologie“ voll im Gange: Während eine der beiden das Schnittmuster aufzeichnet, bügelt die andere den restlichen Stoff auf - ohne Teamarbeit geht hier gar nichts. Ihre Aufgabe ist es, einen Mantel aus dem Disneyfilm „Cruella“ anzufertigen.

27 „Try a Skill“-Stationen
Neben dem internationalen Berufswettbewerb dienen die EuroSkills auch gleichzeitig als Berufsorientierung. Die 25.000 angemeldeten Besucher können bei den 27 „Try a Skill“-Stationen selbst Hand anlegen und verschiedene Berufe wie Friseur, Maler, Tischler oder Koch selbst ausprobieren. Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich von Vertretern namhafter Firmen - etwa die Voestalpine oder BMW - Informationen rund um die verschiedenen Lehrberufe aus erster Hand zu holen.

Die Berufs-Europameisterschaften gibt es bereits seit 2008. Seit Beginn gingen 111 Medaillen, darunter auch 45 goldene, an Österreich. Damit auch dieses Jahr wieder der ein oder andere Stockerlplatz an unsere Youngsters geht, drückt die „Krone“ ganz fest die Daumen. Wer nicht selbst vor Ort dabei sein kann, hat die Möglichkeit, das Geschehen auch via Instagram unter @steirerkrone mitzuverfolgen.

„Krone“-Interview
In den EuroSkills sieht Josef Herk die Gelegenheit, auf die Lehrausbildung und Bedeutung qualifizierter Fachkräfte aufmerksam zu machen.

„Krone“:Welche Bedeutung haben die EuroSkills 2021 für Sie?
Josef Herk: Es ist eine einmalige Gelegenheit, die besten „Young Professionals“ aus Europa live mitzuerleben und anzufeuern - mit viel Emotion und Leidenschaft. Wir sind sehr glücklich, dass der Corona-bedingte dritte Anlauf nun endlich klappt.

Derzeit gibt es einen massiven Fachkräftemangel in Österreich. Wie sehr spürt das die Wirtschaft?
Es erzeugt eine gewisse Bremssituation für die Konjuktur. Die EuroSkills sind daher eine gute Gelegenheit, um auf die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte spielerisch aufmerksam zu machen und die Jugend dafür zu begeistern.

Sehen Sie die Berufs-EM als eine gute Möglichkeit, Fachkräfte aufzuwerten?
Ja, genau das ist unser Ziel. Dass man mit Lehre die beste berufliche Karriere machen kann, zeigt die Veranstaltung. Die öffentliche Wertschätzung ist ein wesentlicher Baustein, um den Stellenwert der beruflichen Ausbildung dauerhaft zu heben.

Wie kann man Ihrer Meinung nach die Lehre wieder attraktiver machen?
Die duale Ausbildung ist attraktiv. International gilt sie als echtes Vorbild. Was wir brauchen, sind neue Zielgruppen und gute Rahmenbedingungen - speziell was das Modell Lehre und Erwachsene, aber auch Maturanten betrifft.

Fakten

  • Fast 4000 unbesetzte Ausbildungsplätze sprechen für sich: Österreichweit fehlen den Betrieben Fachkräfte. Lehrlinge sind gefragt wie noch nie. In der Steiermark geben Unternehmen den Fachkräftemangel mit über 80 Prozent als größte Herausforderung der nächsten Jahre an. Erst danach kommen Lieferkettenprobleme und Arbeitskosten. Angebote für ältere Personen, Quereinsteiger und Studien-Umsteiger sollen dem entgegenwirken. 2020 waren bereits 12 Prozent der Lehranfänger älter als 18 Jahre, die Tendenz ist steigend.
  • Derzeit sind rund 92.000 Lehrlinge in den heimischen Ausbildungsbetrieben beschäftigt. Zusätzliche 7000 absolvieren eine überbetriebliche Ausbildung. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist das ein Minus von 0,5 Prozent, im Vergleich zu 2019 ein leichtes Plus. Die lehrlingsstärksten Sparten sind Gewerbe und Handwerk, Handel und Industrie.
Andrea Dettenweitz
Andrea Dettenweitz
Christina Koppelhuber
Christina Koppelhuber
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