04.09.2021 12:00 |

Kongress Sexualmedizin

Häufiger als gedacht: Sex ohne Orgasmus

Wenn der Orgasmus ausbleibt und der Sex schmerzhaft statt lustvoll ist, sollten Frauen einen Termin beim Sexualmediziner ausmachen. Zu oft - und fälschlicher Weise, wie man jetzt weiß - mussten sich Betroffene anhören: „Das ist nur psychisch.“

„Orgasmusstörungen sind das zweithäufigste Sexualproblem der Frau, aber im Vergleich mit Lust- und Schmerzstörungen erheblich seltener Anlass, professionelle Hilfe zu suchen. Hierzu sind Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe ein hilfreiches Bindeglied in der Ersterhebung, um zur psychologischen, psychotherapeutischen oder sexologischen Weiterbetreuung zu überweisen oder diese in einem anderen Setting auch selbst anzubieten“, berichtet Dr. Daniela Dörfler, Gynäkologin und Geburtshelferin, Klinische Sexologin und Sexualpädagogin, MedUni Wien, Frauenklinik im Zuge des Kongresses „Sexualmedizin interdisziplinär“ in Wien. „Die Frauenärztin kann organische oder hormonelle Ursachen ausschließen und die Organe des kleinen Beckens sowie deren Funktion mit der Patientin besprechen“.

Es herrscht tatsächlich noch viel Falsch- und Fehlinfirmation vor. Eine medikamentöse Therapie gibt es noch nicht. Das liegt auch daran, dass der weibliche Orgasmus sehr variantenreich ist und unterschiedliche Reizsauslöser dabei beteiligt sind.

Schmerzen beim Sex
“Über Jahrzehnte wurden Frauen, die unter Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs litten, als ‘hysterisch‘ , ‘psychisch belastet‘ oder ‘beziehungsunfähig‘ abgestempelt. Auch wurden viele in der Vergangenheit verunsichert, indem man gemutmaßt hat, es wäre eventuell im Kindesalter zu Übergriffen gekommen und deshalb seien sie so traumatisiert, dass jeder Sexualkontakt nur unter Schmerzen möglich wäre“, so OA Dr. Alexandra Ciresa-König, Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Innsbruck, bei ihrem Kongressvortrag. „Ohne exakte gynäkologische Untersuchung und Ausschluss eventuell ursächlicher Diagnosen, besteht das Risiko, sexuelle Schmerzen fehl zu interpretieren. Eine genaue gynäkologische-  und Sozialanamnese ist hierbei unerlässlich.“

Medizische Ursachen können sein: Hautveränderungen der Vulva/Vagina, die klimakterische Atrophie (Trockenheit in den Wechseljahren), chronische vaginale Infektionen/Entzündungen, Endometriose und anatomische Besonderheiten. Die Therapiemöglichkeiten verbessern sich stetig.

Karin Podolak
Karin Podolak
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