Der iranische Sitzvolleyballer Morteza Mehrzad, mit 2,46 Metern zweitgrößter Mensch der Welt, ist einer der meist beachteten Sportler der Paralympics in Tokio. Wie er quasi im Alleingang Deutschland beim klaren 3:0 zum Auftakt besiegte.
Bei den Paralympics in Rio spielte der Hallen-DJ nach fast jedem Schmetterschlag des 2,46 Meter große Sitzvolleyballers Morteza Mehrzad den Song „Here comes the Boom“. Dazu stampften 5000 Fans mit den Füßen. Auch ohne Zuschauer ist der hinter dem Türken Sultan Kösen (2,51 m) zweitgrößte Mensch der Welt einer der meist beachteten Sportler der Paralympics in Tokio. Beim 3:0-Sieg von Titelverteidiger Iran gegen Deutschland am Samstag war Mehrzad, der mit einer äußerst selten auftretenden hormonellen Wachstumsstörung (Akromegalie) auf die Welt kam, mit 18 Punkten Topscorer.
Der deutsche Nationalspieler Florian Singer erklärte: „Im Block ist es aussichtslos, einmal einen Punkt zu holen, weil er einfach über jeden Block drüber schlägt.“ Auch seine Aufschläge waren kaum zu bändigen. Bundestrainer Michael Merten sagte: „Es ist ambitioniert, diese Bälle zu verteidigen - aber es ist möglich.“ In der Vorbereitung hatten die deutschen Sitzvolleyballer eine Simulation versucht. Um auf Mehrzads Schlaghöhe von 1,90 Meter zu kommen, setzte sich ein Co-Trainer bei seinen Aufschlägen auf einen Kasten. Aber auch das nützte nichts.
Neben den Vorteilen im Sport bringt die Größe des Iraners aber auch viele körperliche Einschränkungen mit sich - abgedrückte Nervenenden und -bahnen, schnelle Ermüdung und Teillähmungen. Dazu braucht der 33-Jährige ganz spezielle, überlange Gehstützen. Der deutsche Mannschaftsarzt Axel Ruetz erklärte in der Paralympics-Zeitung des Tagesspiegels: „Sie sind handgemacht, aus leichtem Stahl, damit das für sein Gewicht und seine Anatomie passt.“ Denn sein rechtes Bein wuchs nach einem Fahrradunfall im Alter von 15 Jahren nicht mehr weiter und ist heute 15 Zentimeter kürzer als das linke Bein.
„Wunder meines Lebens“
Die Krankheit, dieses ständige Auffallen in der Öffentlichkeit, all das hatte Mehrzad früher massive psychische Probleme gemacht. Bis er in eine Sendung des iranischen Fernsehens kam, in der Menschen mit ungewöhnlichen Einschränkungen vorgestellt wurden. Dort entdeckte ihn ein iranischer Sitzvolleyball-Trainer, nahm Kontakt auf und überzeugte ihn von der Sportart. „Das“, erzählte Mehrzad im iranischen Fernsehen, „hat mein Leben verändert. Vorher war ich ein isolierter Mensch, deswegen nenne ich Sitzvolleyball auch das Wunder meines Lebens.“
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