18.08.2021 14:00 |

Grüne in Innsbruck

Die „autofreie Innenstadt“ sorgt für Debatten

Die Innsbrucker Grünen stellen Mittwochabend ihr Konzept „Autofreie Innenstadt“ vor. Zuvor wurden 4500 Postwurfsendungen an betroffene Anrainer ausgeschickt. Debatten sind vorprogrammiert. Die Verkehrswende hat noch eine andere Seite: Kehren die viel geschmähten O-Busse unter neuem Namen zurück?

Umdenken sollen Tirols Autofahrer, wenn sie zukünftig in die Landeshauptstadt fahren wollen. Die Innsbrucker Grünen planen – wie berichtet – 1000 Kurzparkzonenplätze aufzulassen bzw. für Behinderte, Taxis, Lieferanten und Einsatzfahrzeuge zu reservieren. Einpendler sollen in die Tiefgaragen ausweichen, Anrainer in die umliegenden Stadtteile. Soweit der Plan.

Heute, Mittwoch, soll dieser erstmals öffentlich zur Diskussion gestellt werden (18 Uhr im Fotoforum am Adolf-Pichler-Platz), einen Tag später erhalten auch Gemeinderäte und Wirtschaftstreibende die Machbarkeitsstudie. Die Grünen verschickten zudem 4500 Postwürfe an Innenstadthaushalte, um bei Anrainern Stimmung für ihr Vorhaben zu machen.

Parken als Geduldsprobe
Die „Krone“ traf einen von ihnen in der Colingasse. Manfred Seebacher ist seit 37 Jahren Anwohner. „Eine Parkkarte zu kaufen, habe ich vor 14 Jahren aufgegeben“, sagt er, „ich habe zu viel Zeit damit verbracht, Runden zu drehen, um einen freien Parkplatz zu finden. Da parke ich lieber in einer Garage und nehme einen Fußweg in Kauf. Das geht schneller und ist gesünder.“

Zitat Icon

Eine Parkkarte zu kaufen, habe ich vor 14 Jahren aufgegeben.

Anrainer Manfred Seebacher

Zahl der Stellplätze reduziert
Dass die Parkplatzsuche mitunter lang und immer länger dauert, liegt auch daran, dass die Zahl der Stellplätze im Stadtgebiet sukzessive verringert wird. Kein Zweifel: Die Grünen haben es auf den privaten Pkw-Verkehr abgesehen. Ihr Motto dabei lautet: „Klimakrise vor Ort bekämpfen.“

Dass aber der öffentliche Verkehr ebenso ein veritabler Klimasünder ist, das wird nicht so an die große Glocke gehängt. Eine große Flotte von Dieselbussen verbrennt jeden Tag tonnenweise Sprit mitten im Stadtgebiet.

Ewige Prüfverfahren
Mit der Umstellung auf alternative Antriebe haben es weder die Grünen noch die Innsbrucker Verkehrsbetriebe eilig - trotz schon 2019 ausgerufenem Klimanotstand. Die Prüfung von anderen Varianten dauert Jahre, während andere Städte an Innsbruck vorbeiziehen. Ein medial angekündigter Testbetrieb mit Elektrobussen ging Ende Juni sang- und klanglos zu Ende.

Weitere Dieselbusse bestellt
Stattdessen wird an der Bestellung von Dieselbussen weitergearbeitet. „Laut Fahrzeugbeschaffungsplan der Innsbrucker Verkehrsbetriebe von 2021 bis 2035 sind die ausgeschriebenen 120 Dieselbusse nur eine Beschaffungsoption, von denen lediglich 38 schlagend werden – und zwar zwischen 2021 und 2027 für den Umstellungszeitraum von fossilem Antrieb hin zu dekarbonisiertem“, erklärt die grüne Mobilitäts-Stadträtin Uschi Schwarzl auf Nachfrage der „Tiroler Krone“, „parallel dazu startet ab 2022 die sukzessive Anschaffung elektrischer Fahrzeuge.“

O-Busse kommen als Trolleys zurück
Welche das sind, ist noch unklar. Möglicherweise – und das ist in Innsbruck die Pointe schlechthin – erleben die Oberleitungs- oder kurz O-Busse wieder eine Renaissance. Mit viel Steuergeld wurde das O-Bus-Netz in Innsbruck in den 1990er-Jahren aufgebaut – und dann mit ebenfalls immensem Geldeinsatz wieder abgebaut. Verantwortlich dafür: IVB-Chef Martin Baltes – derselbe, der sie nun wieder einführen will. Nur heißen sie jetzt Trolley-Busse.

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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