27.11.2004 18:33 |

Alles Sadisten?

Jeder Mensch könnte ein Folterknecht sein

Alle Menschen sind fähig Folter auszuüben und andere "Akte großer Bösartigkeit" zu begehen. Zu diesem traurigen Schluss kommt eine Analyse von über 25.000 psychologischen Studien, an denen acht Millionen Menschen teilngenommen haben. Diese Untersuchung wurde unter der Leitung von Susan Fiske an der Princeton Universität in New York durchgeführt, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.
Die Wissenschaftler berücksichtigten dieUmstände, die zu den unerklärlichen Missbrauchsfällenim Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad führten. Fiske glaubt,jeder durchschnittliche 18-Jährige könnte die irakischenGefangenen gefoltert haben. Viele Formen des Verhaltens, einschließlichAkte der Grausamkeit, sind von Autoritätsfiguren, Gruppenzwangund anderen sozialen Interaktionen ebenso beeinflusst wie vonder Psychologie des einzelnen. "Wenn wir die Wichtigkeit des sozialenKontexts nicht verstehen und akzeptieren, dass jeder derartigeFolterungshandlungen unter bestimmten Umständen ausführenkönnte, schaffen wir einen Boden für weitere derartigeGräueltaten", warnt Fiske.
 
Ansporn zu aggressiven Handlungen
Die Forscher identifizierten Situationen, in denensich die Individuen provoziert, gestresst oder verspottet fühltenund sich dadurch zu aggressiven Akten angespornt fühlten.Dem Gruppenzwang gerecht zu werden und Autoritäten zu gehorchenkönnte Menschen dazu bringen, sich in einer Weise zu verhalten,die sie sonst inakzeptabel fänden. Fiske betont, dass starkkohäsive soziale Populationen wie das Militär entwederVorurteile bekräftigen können - wie in dem Fall derirakischen Gefangenen - oder aktiv davor abschrecken. WürdenIraker an der Seite des US-Militärs kämpfen, würdees den Soldaten schwerer fallen, die irakischen Gefangenen soentmenschlicht zu sehen.
 
Manche sind anders
Aber es gibt auch immer einige wenige Individuen,die anderer Meinung sind als die Gruppe, nämlich Informanten,die Autoritäten auf den Missbrauch aufmerksam machen undso ein Fortfahren vermeiden. "Menschen, die aussteigen, habenoft einen ausgeprägten Sinn für moralische Werte odereine religiöse Überzeugung, welche ihnen erlauben, dienatürliche Neigung, den Vorgesetzten zu folgen oder sichdem Gruppenzwang unterzuordnen, zu überwinden", erklärteIan Robbins, ein klinischer Psychologe am St. George´s Hospitalin London.
 
Jeder Prozess, der mit Einsperren und Befragungenzu tun hat, sollte genauen Untersuchungen durch die Öffentlichkeitstandhalten und nicht geheim vom Militär durchgeführtwerden. "Ich finde es extrem erschreckend, dass das US-Militärim Pentagon diskutiert hat, welche Arten der Folter akzeptabelsind und welche nicht", kritisierte der Forscher.
 
quelle: pressetext austria
Montag, 17. Mai 2021
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