Nach Beben befreit

Neuseeland: Heldentat rettet 14 Menschen vor Tod

Ausland
26.02.2011 11:53
Nach dem Erdbeben in Neuseeland nehmen die schlechten Nachrichten kein Ende. Die Stadt Christchurch ist weitgehend zerstört, Experten befürchten nun sogar, dass ein Drittel des Stadtzentrums gänzlich abgerissen werden muss. Zudem wird auch die Zahl der Toten ständig nach oben korrigiert. Umso erfreulicher ist da die Meldung von einer wahren Heldentat eines Hobby-Bergsteigers, der 14 Kollegen während des Erdbebens das Leben gerettet hat.

Dank seiner Fähigkeiten als Bergsteiger hat ein Neuseeländer nach dem Erdbeben am Dienstag 14 Menschen aus einem eingestürzten Bürogebäude gerettet. John Haynes befand sich während des Bebens in der sechsten Etage des 17-stöckigen Forsyth-Barr-Turms in Christchurch, wie der 64-jährige Behördenmitarbeiter der Zeitung "Christchurch Press" vom Samstag sagte. Das Innere des Gebäudes mitsamt dem Treppenhaus sei komplett eingestürzt, es sei nur noch eine Hülle übriggeblieben.

Als Haynes sich nach Möglichkeiten der Flucht umsah, entdeckte er Rettungsausrüstungen mit Seilen und einem Vorschlaghammer. Er überzeugte seine Kollegen davon, dass Abseilen die einzige Möglichkeit sei, aus dem wackeligen Gebäude zu entkommen.

Jeden Kollegen 20 Meter abgeseilt
Mithilfe des Hammers schlugen die Kollegen ein Fenster kaputt, dann half Haynes den 14 Menschen beim Abseilen in 20 Meter Tiefe bis auf das Dach einer Garage. Von dort aus konnten sich die Kollegen selbst in Sicherheit bringen. Damit niemand abstürzte, wickelte der Hobby-Bergsteiger zur Sicherheit das Ende des Seiles um seinen Körper und setzte sich auf den Fußboden. Während der zweistündigen Rettungsaktion gab es immer wieder Nachbeben. "Es war wie im Krieg, wenn immer wieder Granaten einschlagen und man trotzdem versucht, seinen Job weiterzumachen", sagte Haynes.

Nachdem der 14. Kollege unten war, bereitete Haynes sein eigenes Abseilen vor, doch in der Zwischenzeit waren Rettungskräfte aufmerksam geworden und schickten ihm einen Kran. Als Held wollte sich der 64-Jährige nicht bezeichnen. Er habe es lediglich als "sehr befriedigend" empfunden, dass er sich um die Kollegen kümmern und sie retten konnte. "Ihr Leben war in meinen Händen, das war eine riesige Verantwortung", sagte er.

145 Tote und ein zerstörter Stadtkern
Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 kamen in Christchurch nach jüngsten Angaben mindestens 145 Menschen ums Leben. Rund 200 Menschen wurden am Samstag noch vermisst. Während die Helfer immer noch unermüdlich nach Überlebenden suchen, sehen sich Experten mit dem Ausmaß der Verwüstung konfrontiert. Nun wird sogar befürchtet, dass ein Drittel des Stadtzentrums gänzlich abgerissen werden müsse.

Untersuchungen an den betroffenen Gebäuden zeigten, dass Reparaturarbeiten alleine wohl keinen Sinn mehr machen würden, berichtete der Ingenieur Jason Ingham von der Universität Auckland am Samstag. "Es müssten ganze Häuserblocks abgerissen werden", so Bürgermeister Bob Parker gegnüber Sky News.

Der zuständige Minister Gerry Brownlee sagte, das Stadtzentrum müsse möglicherweise monatelang abgesperrt bleiben. Brownlee warnte auch, dass Christchurch als Austragungsort der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland in Gefahr sei. Ob einige der Spiele des Turniers wie geplant im September und Oktober in Christchurch ausgetragen werden könnten sei fraglich. Die Rugby-Weltmeisterschaft zu verlieren wäre zwar ein herber Schlag für die Stadt, die Frage müsse aber angesichts der enormen Schäden in der Stadt "realistisch" angegangen werden.

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