21.07.2021 16:27 |

U-Bahn überflutet

Dutzende Tote nach „Jahrtausend-Regen“ in China

Nach den heftigsten Regenfällen seit Jahrhunderten ist die Zahl der Todesopfer in der zentralchinesischen Provinz Henan auf mindestens 25 gestiegen. Die meisten kamen ums Leben, als die U-Bahn in der Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt Zhengzhou überflutet wurde, teilten die Behörden am Mittwoch mit. Mindestens sieben Menschen wurden vermisst. Mehr als 500 Personen konnten aus der U-Bahn gerettet werden (siehe auch Video oben). Etwa 100.000 Einwohner der Metropole wurden evakuiert.

Zuvor war von Samstag bis zum späten Dienstag fast so viel Regen in der Stadt am Gelben Fluss gefallen wie normalerweise in einem ganzen Jahr. Ausgelöst wurden die Regenfälle vom Taifun „In-Fa“. So etwas komme nur „einmal in 1000 Jahren vor“, wurden Meteorologen in chinesischen Medien zitiert. Die Armee rückte mit mehr als 5700 Soldaten an, um bei der Suche nach Vermissten und bei Rettungsaktionen zu helfen.

„Das Wasser erreichte meine Brust“
Im Internet verbreitete Videos zeigten Pendler in einem Zug, die weitgehend in Wasser standen, während die U-Bahn immer weiter geflutet wurde. „Das Wasser erreichte meine Brust“, schrieb ein Überlebender auf Social Media. „Ich hatte wirklich Angst, aber das Schrecklichste war nicht das Wasser, sondern die zunehmend schwindende Luftzufuhr im Wagen.“ Wegen des Regens hätten die Behörden den Busverkehr eingestellt, da die Fahrzeuge mit Strom betrieben werden, sagte ein Einwohner von Zhengzhou, der die Nacht in seinem Büro verbrachte. „Deshalb nahmen viele Menschen die U-Bahn, und die Tragödie nahm ihren Lauf“, sagte er.

Globale Erwärmung als Ursache
Wie die Überschwemmungen in europäischen Staaten gehen die Regenfälle in China mit ziemlicher Sicherheit auf die globale Erwärmung zurück, sagten Wissenschafter. „Solche extremen Wetterereignisse werden in Zukunft wahrscheinlich häufiger auftreten“, sagte Johnny Chan, Professor für Atmosphärenwissenschaften an der City University Hongkong. „Die Regierungen müssen Strategien entwickeln, um sich an solche Veränderungen anzupassen.“

Für Dutzende Stauseen und Dämme wurden Warnstufen ausgerufen. Die örtlichen Behörden erklärten, dass die Regenfälle einen 20 Meter hohen Bruch im Yihetan-Damm in der Stadt Luoyang westlich von Zhengzhou verursacht hätten. Dieser könne „jederzeit zusammenbrechen“. „Die Bemühungen zum Schutz vor Überschwemmungen sind sehr schwierig geworden“, sagte Präsident Xi Jinping im Staatsfernsehen.

Strom in Spital fiel aus
Ein großes Krankenhaus in Zhengzhou mit mehr als 7000 Betten hatte keinen Strom mehr. Auch die Notstromversorgung war ausgefallen, berichtete die Zeitung People‘s Daily. Das Krankenhaus suchte verzweifelt nach Transportmöglichkeiten, um etwa 600 kritisch kranke Patienten zu verlegen. Derweil soll es Meteorologen zufolge in den kommenden drei Tagen in der Provinz Henan weiter regnen. In der Region leben 94 Millionen Einwohner.

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