Was am 15. Juli 2017 als exklusives Sommerfest in der Villa Ansaldi am Gardasee inszeniert wurde, beschäftigt heute die Betrugsbekämpfer der Finanz. Sonderermittler prüfen, ob es sich tatsächlich um ein Firmenevent oder um eine private Geburtstagsfeier zu Benkos 40er handelte, bezahlt über die Signa.
Am prominentesten besetzt war Tisch Nummer 1: Neben Gastgeber René Benko nahmen der damalige Außenminister Sebastian Kurz, Innenminister Wolfgang Sobotka und Unternehmer Siegfried Wolf Platz. Per Boot reisten internationale Gäste an, darunter Musikikone Tina Turner, die seit Jahren zum Schweizer Freundeskreis des Signa-Gründers zählte.
Höhepunkt des Abends war laut dem Buch „Inside Signa“ der Auftritt von Xavier Naidoo, der „Dieser Weg“ anstimmte – begleitet von einem Feuerwerk über dem Gardasee. Das Sommerfest 2017 in der Villa Ansaldi, die offiziell einer Benko-Stiftung gehört, galt später als Machtdemonstration der Signa und ihres Machthabers, der sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens wähnte.
650.000 Euro Kosten
Wenige Wochen nach dem Fest erkundigte sich der Finanzjongleur per Mail nach der Abrechnung: „Gibt es schon eine Aufstellung nach einzelnen Positionen (Xavier, Band, Künstler, Zelt, Catering, etc.), was das Fest gekostet hat, müssen uns nämlich überlegen, wie wir die Kosten dann final aufteilen.“
Die Antwort folgte drei Minuten später: „Ja, gibt es, ca. 650tsd und bekommst morgen.“
Rund 650.000 Euro hat das Fest also offenbar gekostet, allein der Kurzauftritt von Soul-Sänger Xavier Naidoo wird später mit rund 280.000 Euro beziffert. Verbucht wurden die Ausgaben über Signa Communications, eine Tochter der Signa Holding.
Sobotka spendete 500 Euro
In den Einladungen war auf einen Konsumationswert von rund 65 Euro pro Person hingewiesen worden – unterhalb üblicher Schwellenwerte. Gäste konnten diesen Betrag – offiziell für karitative Zwecke – vor Ort spenden, gegen Quittung. Zahlreiche Gäste zahlten. Der damalige Spitzenpolitiker Wolfgang Sobotka scheint später mit 500 Euro auf einer internen Spenderliste auf, für sich und seine Begleitung. Eine Spende von Sebastian Kurz findet sich in den Unterlagen nicht.
Nun hat die exklusive Party laut Recherchen von „Krone“ und „News“ ein Nachspiel: Sonderermittler der Finanz-Betrugsbekämpfung gehen dem Vernehmen nach dem Verdacht nach, dass es sich bei diesem ausgelassenen „Sommerfest“ am 15. Juli 2017 um ein persönliches Fest von und für René Benko gehandelt haben könnte.
„Zu viele haben sich verplaudert ...“
In einer persönlichen Nachricht an einen Schweizer Verlagsmanager stellte Benko selbst den Bezug her:
„Noch eine andere Idee: SIGNA macht anlässlich meines 40er ein sensationelles Sommerfest am Gardasee mit Xavier Naidoo als Stargast und Sänger des Abends (wäre eigentlich als ,Überraschung‘ für mich gedacht gewesen – aber es haben die letzten Tage zu viele sich verplaudert ) – das Fest findet am Samstag 15. Juli abends statt – mir wurde auch gesagt, dass einige Schweizer Freunde wie Ernst Tanner, Tina Turner, … zugesagt haben – Ihr könntet mit Sicherheit unkompliziert mit Dieter Berninghaus direkt mitfliegen und wieder retour – hättet Ihr Zeit?“
Die Betrugsermittlungen der Finanz gegen Benko sind breit angelegt und erstrecken sich auf mehrere Sachverhalte. Für den Milliardenpleitier könnte eine Anklage wegen Finanzbetrugs tatsächlich besonders unangenehme Folgen haben: Eine Strafe würde – anders als bei Untreue oder „normalem“ Betrug – nicht unter die Höchststrafe von maximal zehn Jahren fallen. Wenn also ein Schöffensenat eine Strafe wegen Betrugs am Finanzamt verhängen würde, würde diese „on top“ zu verbüßen sein.
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