19.07.2021 07:45 |

Prognose unterschätzt?

Deutschland schon vier Tage vor Hochwasser gewarnt

Deutsche Behörden sollen schon vier Tage vor der fatalen Hochwasserkatastrophe vor den Fluten gewarnt worden sein. Man habe die Bundesregierung auch über die genauen Orte der massiven Niederschläge informiert, berichtet eine Expertin des Europäischen Hochwasser-Warnsystems (EFAS). Die Mitentwicklerin des Prognose-Dienstes spricht gar von einem „monumentalen Systemversagen“.

Vier Tage nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Todesopfer auf über 150 gestiegen. Allein im Kreis Ahrweiler kamen nach Polizeiangaben mindestens 110 Menschen ums Leben, 670 wurden verletzt. In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der bestätigten Todesopfer am Sonntagabend bei 46, darunter vier Feuerwehrleute. Auch in Belgien stieg die Zahl der Todesopfer auf mindestens 31, nach 163 Vermissten wird noch gesucht.

Behörden weit im Voraus informiert
Besonders brisant: Zu diesem Ausmaß hätte es vielleicht gar nicht kommen müssen. Denn schon am 10. Juli - also vier Tage vor dem verheerenden Unwetter - hat EFAS eine Warnung an die zuständigen Behörden abgegeben, wie die britische Hydrologin Hannah Cloke der „Sunday Times“ erklärte. „Die Tatsache, dass Menschen nicht evakuiert wurden oder die Warnungen nicht erhalten haben, legen nahe, dass etwas schiefgegangen ist“, führte Cloke weiter aus.

24 Stunden vorher wurde den deutschen Stellen demnach nahezu präzise vorhergesagt, welche Bezirke von Hochwasser betroffen sein würden, darunter Gebiete an der Ahr, wo besonders viele Menschen von der Flut betroffen sind. Dieses „monumentale Systemversagen“ habe zu einer der tödlichsten Naturkatastrophen in Deutschland seit dem Krieg geführt, meint die Wissenschaftlerin.

Höchste Warnstufe in betroffenen Gebieten
In Deutschland will man die Kritik hingegen nicht auf sich sitzen lassen: Der zuständige Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärte gegenüber dem ZDF: „Wir haben getan, was zu tun war.“ Die Gemeinden seien vor Regenmengen mit 200 Litern pro Quadratmeter gewarnt worden, dies sei jedoch nicht von allen Medien entsprechend verbreitet worden. Vielerorts habe man jedenfalls die höchste Warnstufe ausgesprochen. „In den nächsten Wochen werden wir das mit allen Beteiligten aufbereiten“, so der DWD.

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