20.07.2021 11:58 |

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Kinderpornoring könnte auch Kärnten betreffen

Der Missbrauchsfall von Münster brachte auch in Klagenfurt zwei Männer in U-Haft - ihr Treiben könnte nur die Spitze des Eisbergs sein. 

Die Vorwürfe sind so unfassbar, dass es auch erfahrenen Ermittlern und Staatsanwälten schwer fällt, sie in Worte zu fassen: Jahrelang soll es einen organisierten Kinderpornoring mit Schwerpunkt im deutschen Münster gegeben haben, bei dem Kinder betäubt und sexuell missbraucht worden sind. Ihr unsägliches Leid wurde auf perversen Videos festgehalten, für die ein großer internationaler Schwarzmarkt existiert - auch in Kärnten.

Seit Weihnachten in U-Haft
Wie berichtet, führte eine Spur das Einsatzkommando „Rose“ vom Handy des deutschen Hauptverdächtigen Adrian V. (28) zu uns: In einem der bei mehreren Razzien sichergestellten Filme soll ein 44-jähriger Lkw-Fahrer aus dem Raum Völkermarkt mit zwei kleinen Buben im Alter von neun und zehn Jahren zu sehen sein. Der mutmaßliche Kinderschänder, der bereits 2010 einschlägig verurteilt wurde, sitzt daher seit Weihnachten in Klagenfurt in Untersuchungshaft. Auch ein weiterer Pädophiler (24) aus Deutschland befindet sich ebenfalls hier hinter Gittern. Beiden wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern im Volksschulalter vorgeworfen. „Die Ermittlungen gegen sie laufen aber noch“, berichtet Markus Kitz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, die in diesem sensiblen Fall nicht alleine arbeitet, sondern mit den deutschen Anklagebehörden in Münster und Wuppertal kooperiert.

Haupttäter war IT-Spezialist
Es gilt, Unmengen an Daten auszuwerten, festzustellen, welcher Verdächtige welches kinderpornographische Material verbreitet oder gar hergestellt hat. Denn Bilddateien einer gelöschten Festplatte waren es auch, die letztlich zum ersten Prozess rund um den Missbrauchsskandal geführt haben: Der deutsche IT-Spezialist Adrian V. gilt als Haupttäter, der sich trotz mehrfacher Verurteilungen wegen des Besitzes von Kinderpornos über Jahre hinweg ungehindert an Kleinkindern aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis vergehen konnte. Er wurde dafür vor zwei Wochen zu 14 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Vier seiner Mittäter - darunter sogar seine eigene Mutter! - fassten, ebenfalls nicht rechtskräftig, Strafen zwischen fünf und zwölf Jahren aus.

Während des Strafverfahrens - das großteils unter Ausschluss stattfand - sollen noch weitere Details zu Tage gekommen sein, die auch Kärnten betreffen könnten. „Es haben sich aufgrund der Berichterstattung und veröffentlichter Täterfotos Opfer gemeldet“, so Kitz. Zu befürchten sind somit noch etliche weitere Missbrauchsfälle; laut deutschen Berichten soll es bereits 50 Verdächtige quer durch Europa geben, von denen 30 inhaftiert sind.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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