Experte klärt auf

Schmerzen beim Sex: Was kann dahinterstecken?

Gesund
10.07.2021 05:00

Der Wiener Gynäkologe Prof. Friedrich Gill informiert über die häufigsten Ursachen für Beschwerden beim Liebesspiel.

Neben Orgasmusstörungen zählen Schmerzen während des Liebesspiels zu den häufigsten sexuellen Problemen des weiblichen Geschlechts. Hin und wieder Beschwerden zu verspüren, das kennt nahezu jede Frau und kein Grund für Schamgefühl. Die Ursachen sind vielfältig und oft abhängig vom Alter, wie der Wiener Gynäkologe Prof. Dr. Friedrich Gill erklärt. Stress, Missempfindungen im Intimbereich, die Tage kurz vor der Menstruation - das kann schnell dazu führen, dass der Geschlechtsakt plötzlich unangenehm ist. Schmerzen in der Vagina gehen oft mit psychischen Sorgen oder Problemen einher. Bei sehr jungen Frauen bzw. beim ersten Mal zeichnet mitunter auch die mangelnde Erfahrung und Übung verantwortlich, dass es ein wenig wehtut. „Aufklärung ist meist ein Stiefkind. Informationen zu dem Thema werden vorwiegend über das Internet oder aus dem Freundeskreis bezogen“, so der Frauenarzt.

Ungetrübter Spaß im Bett. (Bild: konradbak/stock.adobe.com)
Ungetrübter Spaß im Bett.
Schon vor einer Schwangerschaft den Beckenboden trainieren. (Bild: fizkes/stock.adobe.com)
Schon vor einer Schwangerschaft den Beckenboden trainieren.

Hormonelle Störungen oder Erkrankungen
Im reiferen Alter können beispielsweise hormonelle Veränderungen dahinter stecken. So ist das Thema bei vielen Frauen nach den Wechseljahren ein Dauerbrenner. Die Scheide wird oft unzureichend befeuchtet, die Haut dünner und trockener. Eine zu starken Reibung während des Geschlechtsverkehrs empfindet „sie“ dann als Schmerz. Dies kann sogar mit leichten Blutungen einhergehen. Mitunter kann die Verwendung von Gleitgel rasch Abhilfe schaffen. Falls nicht, gibt es mit Lasertherapie gute Erfahrung zur Linderung der Beschwerden, wie der Experte berichtet. Schwäche der Haltestrukturen aus Bindegewebe und der Beckenbodenmuskulatur - häufig nach Geburten - führen mitunter zu einer Scheidensenkung. Dr. Gill: „Dem kann man bereits vor der Schwangerschaft durch Beckenbodentraining vorbeugen.“ Infektionen, Geschlechtskrankheiten, Erkrankungen von Unterleib (Endometriose) oder Enddarm (Divertikulitis), Zysten, Tumoren im kleinen Becken, organische Ursachen wie eine stärker nach hinten geknickte Gebärmutter aber auch Vernarbungen nach komplizierten Geburten können die an sich „schönste Nebensache der Welt“ zur leidvollen Angelegenheit werden lassen.

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Sexuelle Aufklärung ist meist ein Stiefkind. Infos werden vorwiegend über das Internet oder aus dem Freundeskreis bezogen.

Dr. Friedrich Gill, Frauenarzt

Darüber reden als erster Schritt der Behandlung
Eine unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur und der Vagina - als Scheidenkrampf bzw. Vaginismus bezeichnet - beeinträchtigt ebenfalls Sexualität und Partnerschaft. Dies Problematik kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Leichtere Formen treten nur in bestimmten Situationen (etwa unter Stress) auf. In schweren Fällen erfolgt der Scheidenkrampf immer, sobald etwas die Scheide berührt. Die Verkrampfung der Muskulatur in diesem Bereich kann dann sowohl den Geschlechtsverkehr als auch bereits das Benutzen von Tampons oder die gynäkologische Untersuchung unmöglich machen. Als erster Schritt gilt, das Thema ansprechen und die Ursache ärztlich abklären lassen.

Kronehit-Podcast-Reihe „Total versext
Weitere Infos und Antworten auf wichtige Fragen zum Thema gibt Dr. Gill in der Podcast-Reihe „Total versext“ mit Moderatorin Sandra Spick auf kronehit.

(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)

Interview auf krone.tv

12. 7.: „Schmerzen beim Sex und Verhütung“ - 17.20, 19.25 Uhr und am 13. 7. um 7.15 Uhr und um 12.10 Uhr. Prof. MR. Dr. Friedrich Gill, Gynäkologe, beantwortet im Interview mit Moderatorin Raphaela Scharf Fragen zum Thema. Informationen zum Empfang finden Sie hier.

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