04.06.2021 06:00 |

Filzmaier-Analyse

Bunkerstimmung bei den Blauen: Wohin geht die FPÖ?

Bunkerstimmung bei den Blauen nach dem Rücktritt von Parteichef Norbert Hofer. Sein wahrscheinlichster Nachfolger Herbert Kickl ist für alle denkbaren Partnerparteien untragbar.

Wohin gehst du, blaue Partei? Nach dem Rücktritt Norbert Hofers als Überrumpelungsaktion herrscht in der FPÖ Bunkerstimmung. Man muss sich schnell einig werden, wie es weitergeht. Also einen Nachfolger finden. Gelingt da keine harmonische Einigung, droht den Freiheitlichen ein Dauerstreit auf offener Medienbühne.

Spekulationen über Spaltungstendenzen sind momentan freilich Unsinn. Wahrscheinlich will ein Teil der Partei Herbert Kickl als Chef. Ein anderer Teil ist darüber nicht glücklich und muss, kann oder wird damit leben. Das aber sind noch lange keine zwei Lager. Ideologisch schon gar nicht. Nur weil Hofer im Tonfall leise und lächelnd sprach, waren weder er noch seine Anhänger gemäßigte Liberale. Sondern genauso national bis nationalistisch.

Spaltung von innen
Unfreiwillig lustig war allerdings die Aussage des rechten FPÖ-Chefideologen und Ex-EU-Abgeordneten Andreas Mölzer im Fernsehen, dass Unfrieden und Spaltungen stets von außen in die FPÖ hineingetragen würden. Oder Wunschdenken der Gegner wären. Hallo?

Die FPÖ hat sich dreimal - 1986, 2002, 2019 - mit internen Konflikten und Skandalen aus der Bundesregierung gesprengt. Das LIF 1993, BZÖ und FPK 2005 sowie zuletzt Heinz-Christian Straches DAÖ und THC waren (Ab-)Spaltungen ohne fremdes Zutun. Möglich ist also alles.

Gürtel muss enger geschnallt werden
Größer als das Chaospotenzial ist freilich das banale Problem, dass man den Gürtel enger schnallen muss. Gelingt es in mindestens fünf Landtagswahlen bis 2024 - das wäre plangemäß das nächste Nationalratswahljahr -, die sich seit 2019 drehende Abwärtsspirale zu stoppen? Wenn nein, so gibt’s überall weniger Mandate, Posten und Parteiförderung.

Für einen sich leerenden Futtertrog gilt immer der Bundesparteiobmann als schuldig. Vor allem wenn er kaum Regierungschancen anbieten kann. Vor allem Kickl, für alle denkbaren Partnerparteien untragbar, müsste sich hier mehr als die Aussicht auf ein paar zusätzliche Umfrageprozente auf Bundesebene einfallen lassen. Sonst überlegt der oberösterreichische Landeschef Manfred Haimbuchner, der nicht aus seiner regionalen Koalitionsregierung mit der ÖVP fliegen will, sich gegen Kickl querzulegen.

Peter Filzmaier, Kronen Zeitung

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