06.06.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Von der Pornodarstellerin zur Milliardärin?

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal über den Traum der Jungen von der Pornokarriere. 

Wer im Sommer in die Berge, an den See oder ans Meer fährt, wird sie wieder beobachten können: Die Villen und Yachten der Reichen. Und wer träumt ihn nicht, den Traum reich zu sein? Während die einen eine Abkürzung nach oben mit Rubbellosen und Glücksspielautomaten suchen, hoffen die anderen darauf, mit ihren selbstgedrehten Videos auf Tiktok, Youtube oder OnlyFans zum Star zu werden. Und tatsächlich gibt es einzelne Menschen, die mit Glück und unter Einsatz ihrer körperlichen Ausstrahlung unerwartet schnell reich geworden sind.

Die Hoffnung benachteiligter Bevölkerungsgruppen auf unrealistisch steilen, sozialen Aufstieg macht sie allerdings anfällig für unseriöse Versprechen. Junge Menschen sind von der Corona-Pandemie nicht nur psychosozial stark getroffen worden. Auch der Berufseinstieg gestaltet sich für mehr als 10 Prozent der Jungen auf dem Arbeitsmarkt gerade sehr schwierig. Während viele von sozialem Aufstieg von der Tellerwäscherin zur Milliardärin träumen, sind junge Menschen in Österreich mit einer steigenden Jugendarbeitslosigkeit seit Beginn der Pandemie konfrontiert.

Schon vor Jahren ließ in einer österreichischen Studie zu Schulabbrechern ein Sozialarbeiter damit aufhorchen, dass viele männliche Jugendliche Pornodarsteller werden wollen. Auch manche Studentinnen brechen unter Pandemiebedingungen ihr Studium ab, um sich einer, sagen wir einmal „körperbetonteren“ Karriere auf OnlyFans zu widmen. Dabei ist es keineswegs verwerflich, den Körper als berufliches Kapital einzusetzen. Letztlich ist Attraktivität, Fitness oder Körperkraft in vielen Berufen (mal ausgesprochen, mal unausgesprochen) Teil der Berufsqualifikation.

Für benachteiligte Menschen ist ihr Körper manchmal das einzige Kapital, das sie am Arbeitsmarkt einsetzen können. Und die körperbetonte Selbstinszenierung in sozialen Medien ist bei Jugendlichen ohnehin weit verbreitet. Das Pornogeschäft erscheint da offenbar einigen Jungen eine lukrative Karriereoption. Die Realität ist allerdings enttäuschend. Pornodarstellerinnen und -darsteller werden selten reich. Durch das Überangebot an Sexvideos sind ihre Honorare gering.

Wie es den Darstellerinnen und Darstellern geht, die mit Sex ihren Lebensunterhalt verdienen, interessiert in der monopolisierten Pornoindustrie meistens niemand. Dazu kommt im Fall von OnlyFans noch die Beziehungsarbeit: Treue Fans wollen auch individuell betreut werden. Und die Arbeit mit Sexualität ist nach wie vor stigmatisiert. Manchen Menschen kann man nicht einmal erzählen, dass man als Sexualpädagogin seinen Lebensunterhalt verdient. Selbst wenn die Arbeit Spaß macht, muss man sich also gut überlegen, wie viel Sexualität der eigene öffentliche Auftritt verträgt. Reich wird man ohnehin am häufigsten durch Erbschaft. Oder indem man, wie der Porno-König aus Österreich, andere Menschen und Werbeeinnahmen für sich arbeiten lässt.

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Barbara Rothmüller
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