31.05.2021 11:30 |

Weniger Honig

Ein Stresstest für Bienen und Imker

Geht es um Insekten, steht die Honigbiene schnell im Mittelpunkt der Diskussion. Kein Wunder, produziert sie doch ein überaus wertvolles Nahrungsmittel. Heuer stehen die Bienen aber vor Herausforderungen, die Produktion könnte weit magerer ausfallen als im Vorjahr.

Kälte und Regen – und das seit vielen Wochen. Kein ideales Flugwetter. Wo sonst gelb bewadete Bienen ihre Runden drehen, fielen in diesem Frühjahr Wassertropfen zu Boden – von Nektar keine Spur. Ein Stresstest für Insekten. Dabei bot der vergangene Winter gar keine schlechte Ausgangsposition, es war anhaltend kalt. Doch im Februar begannen die Probleme, es wurde viel zu früh warm, die Insekten wechselten rasch in den Aktivitätsmodus und begannen bereits mit der Brutpflege: also Wasser holen, Nahrung beschaffen, die Körpertemperatur von 10 bis 20 auf 35 Grad Celsius hochfahren. Letzteres vollbringen Bienen übrigens mit dem Verheizen von Honig, indem sie ihre Flugmuskulatur zum Zittern bringen.

All das wäre noch kein Problem gewesen, wenn es anschließend nicht wieder kalt geworden wäre - und regnerisch. „Jetzt sind die Bienen einer großen Belastung ausgesetzt, da sie die Brutpflege nicht stressfrei bewerkstelligen können“, erklärt der Präsident des Vorarlberger Imkerverbands, Gerhard Mohr. „Der wochenlange Regen während der Blütensaison belastet die Bienenvölker zusätzlich. Da und dort bleibt nichts anderes übrig, als zuzufüttern.“ Serviert wird in diesen Fällen entweder Honig - falls von der Vorjahressaison noch ausreichend vorhanden - oder Sirup beziehungsweise Zuckerwasser. Eine Geschmacksfrage.

Nahrungsangebot ist heuer mangelhaft
Nun hoffen die Imker jedenfalls auf dauerhafte Wetterbesserung, insbesondere auf ein Ende der bisher regelmäßigen Niederschläge. Und darauf, dass es dann auch „zu honigen beginnt“, wie Mohr sagt. Bedeutet: Das beste Wetter nützt nichts, wenn die Pflanzen nicht auch genug Nektar bereitstellen. Mohr selbst zählt nun auf die Ahornbäume, traditionell eine ergiebige Nahrungsquelle für Bienen.


Doch auch da ist mit Ausfällen zu rechnen, da durch den späten Frost nicht nur unzählige Kirsch- und Apfelblüten erfroren sind, sondern auch die Ahornbäume einen Aderlass hinter sich haben. Werden in Vorarlberg jährlich im Schnitt 100 Tonnen Honig produziert, könnte die Ernte heuer etwas weniger üppig ausfallen, vor allem „Frühjahrsblütenhonig“ (Obstbäume und Löwenzahn) wird es nämlich kaum geben. Dafür waren die Voraussetzungen schlicht nicht gegeben.

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Die Menschen bevorzugen meist das, was in ihrer unmittelbaren Umgebung hergestellt wird.

Gerhard Mohr

Aus heimischen Wäldern und den USA
Honig-Fans können aber noch auf den äußerst beliebten Waldhonig setzen. „Die Menschen bevorzugen meist das, was in ihrer unmittelbaren Umgebung hergestellt wird“, erklärt Mohr. Natürlich wird aber auch in heimischen Supermärkten zu ausländischen Produkten, oft aus Südamerika oder sogar aus China, gegriffen. Einerseits ist das eine Preisfrage, andererseits könnte Vorarlberg den Bedarf hierzulande gar nicht decken. Der Eigendeckungsgrad liegt bei rund einem Viertel. Imkern ist zwar ein aktueller Trend, aber nur im Hobbybereich, jedoch nicht in kommerzieller Hinsicht.


Dass Honig nicht gleich Honig ist, zeigt auch der Hype um den Manukahonig aus Neuseeland, für den manche tief ins Geldbörsel greifen. „Gar nicht nötig“, sagt Mohr, denn die vielen wertvollen Inhaltsstoffe, mit denen der Manukahonig punktet, seien auch in heimischen Produkten zu finden. Vor allem, wenn man die Bienen in Ruhe arbeiten lässt. Umso öfter die Insekten den produzierten Honig von einer in die nächste Zelle transportieren, umso stärker reichern sie diesen mit körpereigenen Stoffen an. Das macht dieses Lebensmittel erst so gesund. Doch wer auf Massenproduktion statt auf extensives Imkern setzt, der karrt seine Bienen von einem Blütenmeer ins nächste. Das Ergebnis: viel Honig in kurzer Zeit statt weniger mit hoher Qualität. Für Mohr kommt das nicht in Frage. Seine Bienen bleiben, wo sie sind: im Bregenzerwald, das ganze Jahr.

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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