23.05.2021 17:55 |

Das grosse Interview

Vom Sommer nahtlos in die Wintersaison

Das Tourismusland Vorarlberg ist wieder erwacht. Das Comeback wie auch zahlreiche Buchungen aus dem Ausland sorgen bei Christian Schützinger von „Vorarlberg Tourismus“ für gute Stimmung.

Krone: Wer hat bisher schon einen Urlaub in Vorarlberg gebucht? Woher kommen die Gäste?

Christian Schützinger: Die Anfragen sind jetzt sprunghaft angestiegen, vor allem jene aus dem deutschen Raum. Die Ankündigung von Reiseerleichterungen hat viel Dynamik gebracht. Auch in der Schweiz wird dem Tourismusziel Vorarlberg reges Interesse entgegengebracht. Das gilt für den kommenden Somer, den Herbst und sogar schon für die nächste Wintersaison. Unter den Frühbuchern sind viele Stammgäste, die vor der Krise regelmäßig nach Vorarlberg gekommen sind. Diese Menschen informieren sich laufend über die Reisemöglichkeiten und wollen sich ihre Lieblingstermine reservieren. Das ist erfreulich und es zeigt: Das Interesse ist da. Mit Urlaub im alpinen Raum können wir auch den Reisebedürfnissen, die aus der Pandemie heraus entstanden sind, gut entsprechen.

Welche Bedürfnisse sind das konkret?

Da geht es um frische Luft, um die Möglichkeit, Abstand zu halten, um die Berge. Wir merken einfach, dass das Thema Sicherheit bei den Gästen immer noch sehr präsent ist. Sie wollen sich über die Präventionskonzepte der Betriebe genau informieren, auch über Stornobedingungen. Das wirkt sich auf die Urlaubsgestaltung aus: Die Menschen wollen etwa die Möglichkeit haben, mit dem Rad eine Tour zu machen, wo sich nicht hunderte Menschen drängen. Punkte, an denen gleichzeitig sehr viele Menschen anzutreffen sind, sind derzeit nicht stark gefragt. Das bedeutet auch, dass Freizeiteinrichtungen mit höheren Frequenzen zum Beispiel für Anstehbereiche entsprechende Sicherheitskonzepte brauchen.

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Die Menschen wollen in guter Atmosphäre ihr Essen genießen können. Ebenso wichtig ist die Ausflugsgastronomie, dass man nach einer Wanderung einkehren kann.

Christian Schützinger

Ein funktionierendes Tourismusland braucht nicht nur Hotellerie, sondern auch ein Grundrauschen bei Freizeitangeboten. Was ist hier am meisten gefragt, worauf legen Gäste besonders großen Wert?

Das ist einerseits die Kulinarik: Die Menschen wollen in guter Atmosphäre ihr Essen genießen können. Ebenso wichtig ist die Ausflugsgastronomie, dass man nach einer Wanderung einkehren kann. Andererseits nehmen die Urlauber gerne ein geführtes Angebot in Anspruch. Etwa mit der eigenen Kleinfamilie oder im Verbund mit Freunden. Da geht es etwa um geführte Touren und ein anschließendes gemeinsames Abendessen. Und ganz grundsätzlich gilt: Alle wollen in die Berge!

Vergangenes Jahr lautete die Devise: „Mach Urlaub daheim!“ Heuer werden voraussichtlich auch die Vorarlberger wieder vermehrt im Ausland urlauben wollen. Ist das nun gut oder schlecht für den Tourismusstandort Vorarlberg?

Es hat Vor- und auch Nachteile. Die Reisemöglichkeiten sind heuer wieder größer, davon werden natürlich auch die Vorarlberger Gebrauch machen. Umgekehrt aber kommen wieder Urlauber aus dem Ausland, und davon lebt die Reisebranche natürlich in erster Linie. Es geht nicht mehr nur um den Haupturlaub. Vorarlberg ist auch für kleinere Reisen, für ein verlängertes Wochenende, einen Geburtstagsausflug sehr gefragt. Da gibt es einen großen Nachholbedarf aus den vergangenen eineinhalb Jahren. Das sind jene Nachfragen, die uns jetzt zusätzlich erreichen. Die Sehnsucht, endlich wieder einmal die eigenen vier Wänden zu verlassen, ist groß.

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Viele Tourismus-Mitarbeiter sind in der Zeit der Krise in andere Branchen abgewandert, weil sich zuerst viel Verunsicherung und schließlich auch Resignation eingestellt hat.

Christian Schützinger

Wie sieht die Personalsituation aus? Das ist ja auch ohne Coronakrise schon immer ein brenzliges Thema.

Die Mitarbeiterfrage ist auch heuer eine schwierige. Viele Tourismus-Mitarbeiter sind in der Zeit der Krise in andere Branchen abgewandert, weil sich zuerst viel Verunsicherung und schließlich auch Resignation eingestellt hat. Das Positive ist, dass nicht alle Betriebe gleichzeitig öffnen. Daher bleibt etwas mehr Zeit, sich um neue Mitarbeiter zu bemühen. Betriebe, die ihr Personal in Kurzarbeit halten konnten, haben nun einen Vorteil. Aber auch im internationalen Tourismus kam es zu großen Verschiebungen. Kreuzfahrten etwa können immer noch nicht stattfinden. Das bedeutet, dass hier Mitarbeiter frei geworden sind, die nach wie vor einen Job im Tourismus suchen.

Corona macht die internationale Mitarbeitersuche aber wohl nicht einfacher?

Das nicht. Es gilt, sämtliche Präventionskonzepte, Impfungen und Testungen zu beachten. Auch die individuellen Einreisebestimmungen müssen genau studiert werden. Die Suche nach Mitarbeitern auf internationaler Ebene ist aber unseren Betrieben nicht unbekannt - und sie werden dabei auch professionell unterstützt. Heuer ist es etwas komplizierter, der Aufwand ist größer.

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Hat sich dieses Prozedere erst einmal eingespielt, gehe ich davon aus, dass die Nachfrage gut sein wird

Christian Schützinger

Welche Erwartungen haben Sie an die heurige Saison?

Wichtig ist nun, dass sämtliche Abläufe, die mit Corona zu tun haben, in den Betrieben sozusagen automatisiert werden. Ein Vorteil ist, dass wir schon für den vergangenen Winter sehr gut vorbereitet waren. Das hilft uns beim Start in die Sommersaison. Hat sich dieses Prozedere erst einmal eingespielt, gehe ich davon aus, dass die Nachfrage gut sein wird - und zwar bis in den Herbst hinein.

Wird sich die Branche nach den vergangenen Krisenmonaten rasch wieder erholen?

Ich denke, dass es zu einer raschen Erholung kommen wird, weil erstens die Nachfrage hoch ist und zweitens die Infrastruktur erhalten geblieben ist. Insofern kann sich die Branche gut erholen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen einzelner Betriebe sind aber sehen. Unser Vorteil ist, dass wir sehr kleinstrukturiert sind. In Vorarlberg gibt es ja keine Reiseindustrie. Daher ist die Last auch besser verteilt.

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Den Sommer haben meine Familie und ich schon vor der Pandemie immer gerne in Vorarlberg verbracht.

Christian Schützinger

Wie sehen Ihre eigenen Reiseplanungen für das heurige Jahr aus?

Momentan gibt es noch gar keine, weil ich beruflich voll konzentriert auf den Saisonstart bin. Den Sommer haben meine Familie und ich schon vor der Pandemie immer gerne in Vorarlberg verbracht. Die Reiselust ist aber auch bei uns wieder gestiegen.

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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