Hu in Washington
Chinas Staatschef bringt den USA 235.000 Jobs mit
Trotz aller Probleme war der pompöse Empfang ein wichtiges Ereignis für die USA. Das Reich der Mitte will zum Beispiel dem US-Flugzeugbauer Boeing 200 Maschinen für 19 Milliarden Dollar (umgerechnet 14,2 Milliarden Euro) abkaufen. Es soll jedoch nicht der einzige milliardenschwere Deal sein. Insgesamt von 70 Abkommen sprach das Weiße Haus, die chinesischen Unternehmen mit US-Firmen unter Dach und Fach gebracht hätten.
Alles in allem gehe es um zusätzliche Exporte im Wert von 45 Milliarden Dollar (33,6 Milliarden Euro). Schätzungsweise 235.000 Jobs hängen daran - eine wichtige innenpolitische Botschaft angesichts der hartnäckigen Misere auf dem US-Arbeitsmarkt.
Das Treffen mit dem Who-is-Who der US-Wirtschaftswelt folgte für Hu gleich hinter der Begegnung mit Präsident Barack Obama. Microsoft-CEO Steve Ballmer, Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein, die Bosse von General Electric und Boeing, Jeffrey Immelt und Jim McNerney, und zehn weitere Unternehmensführer waren nach Washington zum Gespräch mit dem Gast aus Peking geeilt.
Manager: "Wir lösen ihr Beschäftigungsproblem"
Der Besuch Hus in Washington unterstreiche die "wichtige wirtschaftliche Beziehung" zwischen beiden Ländern, sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs. "Die Menschen in den USA heißen uns willkommen", sagte des chinesische Top-Manager Lu Guanqiu, der den Staats- und Parteichef auf der Reise begleitet, in einem Interview. "Wir lösen ihr Beschäftigungsproblem."
China erzielte nach offiziellen Daten in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres einen Handelsüberschuss von 252 Milliarden Dollar (187 Milliarden Euro) mit den USA. 2010 exportierten US-Unternehmen Güter und Dienstleistungen im Wert von 100 Milliarden Dollar (74,0 Milliarden Euro) in die Volksrepublik. US-Finanzminister Timothy Geithner hatte erklärt, dass China in etwa einem Jahrzehnt zum größten Handelspartner der USA aufsteigen könnte, wenn es beim derzeitigen Wachstumstempo der Ausfuhren bleibe.
Dolmetsch-Panne bei Pressekonferenz
Es ist der erste Staatsbesuch eines politischen Führers aus Peking seit zwölf Jahren. Obama hieß den Gast aus der Volksrepublik am Dienstagabend mit 21 Salutschüssen auf dem Rasen des Weißen Hauses willkommen. Neben Wirtschaftsthemen legen die beiden Staatschef auch Wert darauf, nach außen hin auch soziale Themen nicht zu kurz kommen zu lassen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Obama räumte Hu Jintao am Abend ein, dass in seinem Land bei den Menschenrechten noch viel zu tun sei.
Die Frage mussten die US-Reporter jedoch zweimal stellen, zudem war während der Pressekonferenz die Simultanübersetzung ausgefallen. Chinesische Dolmetscher musste Obamas Antworten auf die Fragen der Reporter zunächst Hu zuflüstern, bevor dieser antworten konnte. Das führte zu erheblichen Pausen zwischen den Antworten. Zu der Frage nach den Menschenrechten schwieg Hu zunächst ganz, äußerte sich aber später bei Wiederholung der Frage ausführlich zum Thema. Er habe die Frage wegen der technischen Probleme zunächst nicht vernommen, sagte Hu. Das Weiße Haus hingegen erklärte, auch die erste Frage sei Hu gedolmetscht worden.
Hu: "Eine Menge zu tun, was die Menschenrechte betrifft"
Hu antwortete alles in allem aber überraschend offen auf die Fragen in Richtung Menschenrechte: China erkenne und respektiere, dass die Menschenrechte universell seien, sagte Hu. Die Volksrepublik sei jedoch ein Entwicklungsland mit einer großen Bevölkerung und befinde sich in einem "entscheidenden Stadium der Reform", fügte der Staats- und Parteichef hinzu. "In diesem Zusammenhang ist China nach wie vor mit vielen Herausforderungen in Sachen Wirtschaft und sozialer Entwicklung konfrontiert, und eine Menge muss noch in China getan werden, was die Menschenrechte betrifft."
Für einige Lacher sorgte dann schließlich noch ein chinesischer Reporter, der den Dolmetscher aufforderte, seine beiden Fragen unbedingt korrekt und genau zu übertragen. Nicht so witzig dürften die amerikanischen Fernsehanstalten, die die Pressekonferenz live übertragen hatten, das Dolmetschproblem gefunden haben: Über lange Strecken hörten die Zuschauer nur Mandarin.
Obama: "Chinas friedvoller Aufstieg gut für Amerika"
Obama reichte seinem fernöstlichen Gegenüber indes die Hand: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Chinas friedvoller Aufstieg etwas Gutes für die Welt ist. Und es ist gut für Amerika!" Dass die beiden Länder in mancher Hinsicht nicht einer Meinung seien, dürfte jedoch nicht verhindern, dass man sich wirtschaftlicher Zusammenarbeit verwehre, sagte der US-Präsident.
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