Streitfrage Jerusalem

Darum kracht es zwischen Israelis & Palästinensern

Ausland
12.05.2021 12:39

Die Lage im Nahen Osten eskaliert zusehends. Fast täglich kommt es zu Zusammenstößen auf dem Tempelberg in Jerusalem, es gibt zahlreiche Tote und Verletzte durch Raketenhagel aus dem Gazastreifen auf Israel - und als Antwort schwere Vergeltungsangriffe der israelischen Luftwaffe auf Ziele in dem dicht besiedelten palästinensischen Küstenstreifen mit Dutzenden Toten. Doch was hat gerade jetzt wieder zur tödlichen Eskalation geführt?

Eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt ist sicherlich der Status von Jerusalem, das von Israel als „ewige und unteilbare Hauptstadt“ für sich reklamiert wird. Die Palästinenser wiederum halten am Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines unabhängigen noch zu gründenden eigenen Staates fest. 1000 Jahre lang haben die Juden, 400 Jahre lang Christen und 1300 Jahre lang Moslems in Jerusalem geherrscht. Allen drei Religionen ist die Stadt heilig.

Altstadt für Juden und Muslime von Bedeutung
Der Tempelberg mit dem Felsendom sowie der Al-Aksa-Moschee - dem drittwichtigsten Heiligtum des Islam - in der Altstadt von Jerusalem ist daher sowohl für Juden als auch für Muslime von herausragender Bedeutung und deshalb immer wieder ein Schauplatz heftiger Zusammenstöße zwischen Palästinensern und Israelis

In diesem Jahr lösten Zugangsbeschränkungen zum Gelände der Moschee während des Ramadans Zorn bei den Palästinensern aus. Hinzu kam, dass Israel am Montag den Jerusalem-Tag beging, mit dem die Eroberung des arabischen Ostteils von Jerusalem, einschließlich der Altstadt, während des Sechstagekrieges anno 1967 gefeiert wird.

Proteste wegen Zwangsräumung von Häusern
Bereits seit Beginn des Fastenmonats Ramadan ist die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems angespannt. Seit Freitag sind bei heftigen Zusammenstößen Hunderte Palästinenser und Dutzende Polizisten verletzt worden. Ihren Ausgang hatten die Proteste im Stadtteil Scheich Jarrah, genommen, weil dort 30 Palästinenser mit der Zwangsräumung ihrer Wohnungen rechnen müssen.

(Bild: AFP/Ahmad Gharabli)

Dabei geht es um Häuser, die vor der Gründung Israels im Jahr 1948 von Juden bewohnt waren, die im Krieg flohen. Als das Gebiet von Jordanien besetzt war, zogen palästinensische Familien - manche waren selbst Flüchtlinge - in diese Häuser. Nach israelischem Recht haben jüdische Besitzer solcher Häuser einen Anspruch darauf, diese zurückzuerhalten. Umgekehrt gilt das aber für Palästinenser, die 1948 ihre Häuser verloren haben, nicht.

Erfahrungsgemäß entscheiden israelische Gerichte in solchen Verfahren kaum im Sinne der Araber, sondern sprechen vielmehr Delogierungen aus. Ziel ist de facto die sukzessive Unterwanderung arabischer Gebiete durch jüdische Nationalisten. 

Hamas forderte Abzug Israels von Tempelberg
Die im dicht besiedelten Gazastreifen herrschenden radikalislamische Palästinenser-Organisation Hamas, forderten per Ultimatum den Abzug aller Polizisten und Siedler vom Tempelberg sowie aus dem Stadtteil Scheich Jarrah. Als Israel dem nicht nachkam, begann am Montagabend, kurz nach 18 Uhr Ortszeit, der Beschuss israelischer Gebiete mit Raketen ...

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen 2007 haben sich Israel und die radikale Palästinenserorganisation bereits drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Rund zwei Millionen Menschen leben dort - nach Angaben von Hilfsorganisationen unter teils miserablen Bedingungen.

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