30.04.2021 22:45 |

Österreich profitiert

Wirtschaft nach Corona: China fährt allen davon

China: Das Reich der Mitte startet als die „Lokomotive“ der Weltwirtschaft nun den Turbo. Die Exporte nach China sind auch ein Hoffnungsanker Europas für die Rückkehr aus der Corona-Krise. Und davon profitiert auch Österreich als Zulieferer für die deutsche Autoindustrie.

Eineinhalb Jahre Pandemie-Krise haben Europas Wirtschaft Tiefschläge versetzt wie seit dem Weltkrieg nicht mehr. Der Weg zurück wird mühsam und von jenem Land bestimmt, das heute als die „Lokomotive“ der Weltwirtschaft gilt: China.

Für Deutschland ist China ein „Lichtblick“
Sogar Europas relativ stärkste Volkswirtschaft, Deutschland, setzt die ganze Hoffnung auf Exporte nach Ostasien. China ist zum größten Absatzmarkt der deutschen Automobilindustrie geworden - und damit auch für die österreichische Zuliefererindustrie. Auf der heute schon weltgrößten Automesse in Shanghai bezeichneten die deutschen Autobosse den chinesischen Markt als einen „großen Lichtblick“ aus der Krise. Und der Guru der deutschen Automobilbranche, Ferdinand Dudenhöffer, sekundierte: „China läuft allen davon.“

Jedes dritte Auto der Welt wird in China verkauft
In diesem Jahr wird weltweit jedes dritte Auto in China verkauft werden, und „die Schere wird noch größer“, so Dudenhöffer. Dabei muss der chinesische Autokäufer auch noch eine Nummerntafel erwerben, deren Zahl je nach Zulassungsort limitiert ist. Die Tafel muss ersteigert werden, und das kann schon mal 100.000 Yuan (13.000 Euro) kosten.

Rekordwachstum nach Corona-Krise
Noch vor einem Jahr hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wegen der Corona-Krise einen schweren Einbruch erlitten. Nun legt sie den größten Wachstumssprung seit dem Beginn der quartalsweisen Auswertung vor gut 30 Jahren hin. Chinas Wirtschaft hat die Corona-Krise weitgehend überwunden und ist mit einem Rekordwachstum neu gestartet. Laut der Pekinger Statistik legte das Reich der Mitte im ersten Quartal 2021 um 18,3 Prozent zu im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres.

Dieser außergewöhnlich starke Zuwachs erklärt sich damit, dass die chinesische Wirtschaft im vergangenen Frühjahr wegen der Corona-Pandemie stark eingebrochen war. Damals kam das bevölkerungsreichste Land der Welt für mehrere Wochen beinahe komplett zum Stillstand.

Chinas Regierung verfolgte damals eine „Null-Covid-Strategie“: Ein rigoroser Lockdown und scharfe Einreisekontrollen führten dazu, dass bereits seit gut einem Jahr nur noch sehr wenige Corona-Fälle auftreten. Seitdem befindet sich die Wirtschaft auf Erholungskurs.

China half Europa aus der Corona-Klemme
Besonders ein starker Außenhandel half Chinas Wirtschaft zuletzt auf die Sprünge. Chinas Fabriken liefen auf Hochtouren, um medizinische Güter wie die Corona-Tests und Schutzmasken in alle Welt zu exportieren. Auch Laptops und andere Ausstattung für das Homeoffice kommen oft aus China. Die Industrieproduktion zog im ersten Quartal um 24,5 Prozent an.

„Die deutschen Exporte nach China haben die schwächere Nachfrage aus anderen Märkten ausgeglichen“, stellt der Hauptverband der deutschen Industrie fest. Gleichzeitig müssten sich Unternehmen in den kommenden Monaten auf einen verschärften internationalen Wettbewerb nach China einstellen.

Chinas Spannungen mit USA und Europa
China bemüht sich seit Jahren, den heimischen Konsum zu stärken, um so vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen mit den USA und Europa unabhängiger vom Außenhandel zu werden. Auch im gerade verabschiedeten neuen Fünfjahresplan spielt dies eine Schlüsselrolle.

Der neue Wirtschaftskurs wird mit dem Schlagwort „zwei Kreisläufe“ beschrieben. Diese Strategie von Staats- und Parteichef Xi Jinping soll einerseits die „innere Zirkulation“ fördern, also heimische Nachfrage und eigene Innovation. Der „äußere Kreislauf“ - Handel und die ausländischen Investitionen - sollen diesen Hauptmotor nur unterstützen.

Handelspakt EU - China liegt auf Eis
Das seit Jahren verhandelte Investitionsabkommen zwischen EU und China liegt auf Eis. Es hat wegen der Unterdrückungsmaßnahmen in der Uigurenprovinz keine Chance, durch das EU-Parlament zu kommen. Vorwurf unter anderem: Zwangsarbeit bei Exporten nach Europa.

Kurt Seinitz
Kurt Seinitz
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