27.04.2021 19:28 |

Vier Mal mehr Fälle

Schulen ohne Belüftung werden zu Corona-Hotspots

Jene Schulen, die über keine Belüftungsanlagen verfügen, beklagen mehr als drei Mal so viele Corona-Infektionsfälle als jene, die entsprechende Luftfiltersysteme im Einsatz haben. Dies geht aus einer wissenschaftlichen Analyse kanadischer Forscher hervor. Experten betonen in dem Zusammenhang einmal mehr die Notwendigkeit, Innenräume mit solchen Anlagen auszustatten.

Mit der Rückkehr in den Präsenzunterricht nehmen auch die Infektionsfälle in den Schulklassen wieder zu. Ein Mitgrund dafür könnte sein, dass die Klassenzimmer oft nur schwer ausreichend gelüftet werden können. Das Bildungsministerium und die Bundesländer setzen in dem Zusammenhang weiterhin auf die klassische Lüftung per Fenster. In Wien etwa wurde seit Beginn der Pandemie keine einzige Schule mit einer Luftfilteranlage ausgestattet.

Filteranlagen reduzieren Infektionsfälle deutlich
Ein Fehler, wie internationale Experten mit Blick auf eine wissenschaftliche Analyse in Kanada nun betonen. Die Daten aus 677 Schulen hätten gezeigt, dass Schulen ohne entsprechende Systeme mehr als drei Mal so viele Covid-19-Fälle verzeichneten, wie Olivier Drouin vom Universitätsspital CHU Sainte-Justine in Quebec erläutert. Insgesamt habe man dabei 4223 Fälle gefunden, was einem Durchschnitt von 6,8 Infektionen pro Schule entspricht.

Jene Schulen, die die Luft in den Klassenzimmern filtern, hatten im Vergleich aber nur 1,8 Fälle pro Schule - also nur etwa ein Viertel der allgemeinen Rate, erklärt Drouin auf seiner Website, auf der er seit vergangenem August die entsprechenden Statistiken zusammenfasst. Um die Luftqualität zu verbessern, könne man neben Luftreinigern etwa auch Luftaustauscher oder ähnliche Geräte einsetzen, so der Mediziner.

Investitionskosten relativ gering
Die Anschaffung entsprechender Geräte wäre dabei auch nicht sonderlich kostenintensiv, wie der amerikanische Virologe Eric Feigl-Ding betont. Empfohlen werden dabei vor allem zwei Systeme: tragbare HEPA-Filter, die Viren, Bakterien oder Pollen aus der Luft abscheiden, sowie an der Decke angebrachte UV-Filteranlagen.

Insbesondere die HEPA wären mit umgerechnet knapp zehn Euro pro Schüler nicht nur günstig in der Anschaffung, die sich insbesondere dadurch rentiere, da sie auch nach der Pandemie noch zum Einsatz kommen könnten.

Filter schon in Traiskirchen im Einsatz
Als erste Stadt in Österreich hat Traiskirchen in Niederösterreich seit Februar Luftreinigungsanlagen flächendeckend in den Schulen im Einsatz - dabei handelt es sich aber um eine Eigeninitiative der Gemeinde. „Warum das durch den Bund oder das Land über die Bundesbeschaffung nicht schon längst geschehen ist und zum allgemeinen Schutzstandard wurde, verstehen wir nicht“, erklärt Bürgermeister Andreas Babler.

Die Geräte werden in allen Klassen- und Gruppenzimmern zum Einsatz kommen und sollen einen bestmöglichen Schutz für Kinder und Pädagogen gewährleisten.

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