10.04.2021 10:49 |

„Es tut mir sehr leid“

„Sofa-Gate“ bereitet Michel schlaflose Nächte

Nach der massiven Kritik wegen des „Sofa-Gates“ bedauert EU-Ratspräsident Charles Michel sein Verhalten beim Treffen der EU-Spitzen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: „Wenn es möglich wäre, würde ich zurückreisen und die Sache reparieren.“ Er nahm bei dem Treffen ohne zu zögern auf dem Sessel neben dem Staatsoberhaupt Platz und brüskierte so EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, für die kein Sessel bereitstand und die schließlich am etwas abseits stehenden Sofa Platz nehmen musste.

„Ich versichere Ihnen, dass ich seit dem Vorfall nachts nicht mehr gut geschlafen habe und dass ich in meinem Kopf den Film Dutzende Male zurückgespult habe“, zeigt sich der EU-Ratspräsident gegenüber mehreren europäischen Wirtschaftsmedien, darunter dem italienischen „Sole 24 Ore“ und dem deutschen „Handelsblatt“, reumütig.

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Ich hatte den Eindruck, dass eine mögliche Reaktion die lange diplomatische Arbeit vor unserem Besuch infrage gestellt hätte.

EU-Ratspräsident Charles Michel

„Paar Sekunden, um zu entscheiden“
„Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung“, so Michel. „Ich hatte ein paar Sekunden Zeit, um zu entscheiden, welche Haltung ich einnehmen sollte. Ich hatte den Eindruck, dass eine mögliche Reaktion die lange diplomatische Arbeit vor unserem Besuch infrage gestellt hätte. Außerdem wollte ich keine paternalistische Haltung gegenüber Frau von der Leyen einnehmen“, so Michel nun.

„Habe allen Frauen mein Bedauern ausgesprochen“
Allerdings respektiere er andere Meinungen und verstehe die Kritik an seinem Verhalten, so Michel. „Es tut mir sehr leid. Ich habe von der Leyen und allen Frauen bereits mein Bedauern ausgesprochen.“ Der Vorfall habe leider dazu beigetragen, dass die Substanz des Treffens mit Erdogan untergegangen sei, bedauerte er. „In den vergangenen Monaten haben uns die Spannungen im Mittelmeerraum wirklich beunruhigt. Wir befürchteten, dass wir kurz vor einem ernsten Zwischenfall standen. Ziel des Besuchs in Ankara war es, einen positiven Dialog mit der Türkei wieder aufzunehmen.“

Video: Diktatoren-Streit zwischen Draghi und Erdogan

„Ich hoffe, dass wir irgendwann zum Inhalt des Treffens zurückkehren werden: Rechtsstaatlichkeit, Modernisierung der Zollunion, wirtschaftliche Zusammenarbeit, regionale Stabilität“, so Michel. Der Wortwahl des italienischen Premiers Mario Draghi, der Erdogan als „Diktator“ bezeichnet hatte (siehe Video oben), wollte sich Michel nicht anschließen, er betonte aber, dass die EU „Fortschritte bei Menschenrechten und Grundfreiheiten“ erwarte.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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