04.04.2021 06:00 |

krone.at-Gastkommentar

Österliche Treibjagd

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Manche Mitglieder des politmedialen Betriebes mögen ja ihren Spaß daran haben, wenn halbprivate Chatverläufe aus Ermittlungsakten ihren Weg an die Öffentlichkeit finden. Die Treibjagd auf Kanzler Sebastian Kurz und Thomas Schmid, den Chef der ÖBAG, ist eröffnet. Das ist aus zwei Gründen bedenklich: Zum einen bedarf es in Zeiten der Smartphonisierung unserer Gesellschaft dringend neuer Grenzziehungen zwischen beruflicher und privater Kommunikation; zum anderen sorgt das Breittreten solcher „Enthüllungen“, die - meistens - maximal minimale Relevanz besitzen, nur für noch größere internationale Blamagen.

Politische Absprachen sind so alt wie die Zweite Republik: Es hat sie immer gegeben. Egal, ob der Kanzler Klaus, Kreisky, Vranitzky oder Schüssel hieß. Egal, ob die Staatsbeteiligungen unter einem Dach namens ÖIAG, ÖBIB oder eben ÖBAG verwaltetet wurden. Egal, ob es um ÖBB oder OMV, um Verbund oder AUA, um Telekom oder Post ging: Noch immer haben Regierende Schlüsselpositionen mit Vertrauensleuten besetzt. Hatte ein Johannes Ditz als ÖIAG-Chef etwa kein Vorleben als ÖVP-Finanzminister? War ein Christian Kern vor seinem Aufstieg beim Verbund und bei der Bahn etwa nicht in einem SPÖ-Kabinett? Ist ORF-Chef Alexander Wrabetz tatsächlich der letzte Unabhängige in einem Land, das selbst den Sport nach Parteifarben aufgeteilt hat?

Wir sollten der Realität ins Auge blicken. Andernfalls müssen wir die Habsburger bitten, wieder auf den Thron zu steigen.

Christian Baha, Kronen Zeitung (Gastkommentar)

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