Rapid-Ikone wird 50

Didi: „Da bin ich dann auf einem anderen Planeten“

Rapids Trainer Didi Kühbauer feiert heute seinen 50. Geburtstag bei der Arbeit - in Wolfsberg. Seine erfolgreiche Karriere als Spieler erfreut ihn - aber die Familie macht ihn am meisten stolz. Mit einem guten Buch ist er schon zufrieden.

„Natürlich denkst du dir da: Bist du deppert. Aber ich war authentisch, menschlich, nie eine Maschine.“ Didi Kühbauer muss damit leben, wenn er mit seinem legendären „Was sie da sagen, ist für die Würste“-Sager konfrontiert wird. So wie sein - man glaubt es kaum - Vokuhila, die Langhaar-Mähne. „Das war damals Standard, wenn man die Nummer eins sein wollte“, grinst Don Didi. „Wobei mir das alles nicht so wichtig war, Autos, Kleidung - alles egal.“

Nicht der Geburtstagstyp
Mehr nervt es ihn, damit - also auch mit seinen Jugendsünden - konfrontiert zu werden. Das passiert dieser Tage öfters. „Aber zum Glück werde ich nur einmal 50.“ Heute nämlich. Da verbringt er seinen runden Geburtstag in Wolfsberg. Mit Rapid bei der Arbeit. Kein Drama. „Ich bin eh nicht so der Geburtstagstyp“, sagt Don Didi. „Die Umstände lassen jetzt ohnehin nichts zu. Das trifft ja uns alle derzeit.“ Der Nachsatz ist ihm wichtig. Klar, er ist berühmt, steht im Rampenlicht - aber das Erdige, Bodenständige ist ihm lieber. Schon immer.

Seine große Spielerkarriere ist bekannt. Mit Rapid Meister und Cupsieger, Real Sociedad (da wurde er zu Don Didi), Wolfsburg, Mattersburg. Überall geliebt, in Hütteldorf ein Held. Mit Ecken und Kanten, Spaßvogel, einer der vier Daltons (mit Marasek, Barisic, Mandreko). „Mit mir als Spieler hätte ich jetzt aber auch keine Probleme“, ist er überzeugt. „Ich habe alles für die Mannschaft getan. Jeder wusste, wofür ich stehe.“ Frag nach bei Austrias Andi Ogris. Stirn an Stirn. Legendär.

Privatleben geht ihm über alles
Heute hätte er mit seinen Erfolgen als Spieler sicherlich ausgesorgt. Egal. „Ich lebe im Jetzt so auch gut“, würde Kühbauer dennoch nicht tauschen wollen. „Abgesehen von den Trainingsmöglichkeiten.“ Denn die heutigen Stars haben mit der Handy-Generation kein Privatleben mehr. Und das geht ihm über alles. Seine Highlights der ersten 50 Jahre? Er nennt - trotz 0:1-Enttäuschung gegen Paris - das „bemerkenswerte“ Europacup-Finale 1996 mit Rapid. Weil es erwartet wird. Eigentlich ist es aber die Familie, seine beiden Töchter. „Da haben wir nichts falsch gemacht. Über sie will ich aber nichts in der Zeitung lesen“, kommt es sofort. Ehe er zum 50er doch melancholisch wird: „Sie aufwachsen zu sehen Es gibt nichts Schöneres, als wenn sich Kinder freuen.“

Worauf er noch stolz ist? „Dass ich mich als Mensch nicht verändert habe. Die wenigsten wissen, wie ich wirklich bin.“ Viele kennen nur den polternden Rapid-Trainer an der Outlinie. Soll Didi recht sein: „Ich habe immer schon polarisiert, mich oft genug rechtfertigen müssen. Die mich nicht wollen, werde ich auch nicht umstimmen, wenn ich noch achtmal Meister werde.“

Vorsichtig bei Interviews
Nur bei den Interviews ist er vorsichtiger, reifer geworden. „Wennst dich beschwerst, wenn dir das Wort verdreht wird, verlierst nur noch mehr“, weiß er heute. Sein einziger Wunsch zum 50er: „Dass meine Liebsten von Krankheiten verschont bleiben.“ Und was er sich gönnt? „Die einfachen Dinge, mit Freunden und Familie zusammensitzen. Ich bin mit jedem Tag zufrieden. Mir reicht auch ein Buch. Krimis, Klassiker - ich lese querbeet. Da bin ich dann auf einem anderen Planeten.“

Viel mehr lässt der Trainer-Job bei Rapid nicht zu. Vereinzelte Ausfahrten auf dem Motorrad. Das Hobby ist bekannt, aber selbst das ist ihm fast unangenehm. Und natürlich Tennis. Die Duelle gegen seine jüngere Tochter Kim (14) werden bald aufhören: „Denn bevor sie gewinnt, gibt’s einen Spielabbruch.“ Dafür schenkte ihm die Klubführung unter anderem ein Sparring mit Tennis-Profi Dennis Novak. Punkte sind da heute in Wolfsberg eher wahrscheinlich. Und Kühbauer sicher auch lieber.

Rainer Bortenschlager, Kronen Zeitung

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