31.03.2021 17:01 |

Artefakte gefunden

Mensch eroberte Landesinnere vor 100.000 Jahren

Ihre Fähigkeit zu hochkomplexen Verhaltensweisen haben frühe moderne Menschen im südlichen Afrika auch bereits tief im Landesinneren eingesetzt. Bisher dachten viele Forscher, dass sich dieser Entwicklungssprung unserer Vorfahren in Küstennähe vollzogen hat. Mithilfe von Geologen der Universität Innsbruck konnte nun aber gezeigt werden, dass am Rande der Kalahari-Wüste schon vor rund 105.000 Jahren auch rituelle Handlungen vollzogen wurden.

Die ersten modernen Menschen breiteten sich höchstwahrscheinlich im Süden Afrikas aus. Sie waren uns in ihren kognitiven Fähigkeiten bereits erstaunlich ähnlich. Die frühesten Belege für ihr Wirken finden sich fast ausschließlich an archäologischen Ausgrabungsstätten in Küstennähe, so das Fachblatt „Nature“. 

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Vielfach wird die Meinung vertreten, dass Verhaltensinnovationen in der frühen Menschheitsgeschichte mit der Küste und Meeresressourcen verbunden sind.

Michael Meyer, Leiter des Lumineszenz-Labors am Institut für Geologie der Uni Innsbruck

Gehirnentwicklung des Menschen veränderte sich
Das verleitete viele Forscher zu der Annahme, dass die Nähe zum Meer und den dort verfügbaren Nahrungsressourcen möglicherweise irgendwie dazu beigetragen hat, dass sich in der Gehirnentwicklung des Menschen etwas verändern konnte, das in der Folge die Entwicklung der erstaunlichen kulturellen und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten ermöglicht hat. Damit war die Voraussetzung für den modernen Menschen nach unserer heutigen Vorstellung geschaffen.

Gefunden wurden bisher zahlreiche Artefakte, die einen derartigen Entwicklungssprung belegen, wie etwa Muschelschalen, die nicht als Nahrung genutzt wurden, andere dekorative Artefakte oder Ockerfarben an einigen von Menschen zwischen 125.000 und 70.000 Jahren vor unserer Zeit frequentierten Orten sozusagen mit Meerblick.

Zahlreiche Kristalle gefunden
Ein internationales Forscherteam um Jayne Wilkins von der Griffith University in Brisbane (Australien) hat sich weiter im Landesinneren auf die Spuren der frühen modernen Menschen im südlichen Afrika geheftet. In langwieriger Grabungsarbeit haben die Wissenschafter unter einem Felsvorsprung am Ga-Mohana-Hügel im Norden Südafrikas zahlreiche Kristalle gefunden, die dort vermutlich rituellen Zwecken dienten.

Das Areal am südlichen Rand der Kalahari-Wüste liegt heute rund 665 Kilometer von der Küste entfernt. Fündig wurden sie u.a. in einer Sediment-Schicht, die unter der Leitung Michael Meyers und dem zum Zeitpunkt der Untersuchung in Innsbruck tätigen Forscher Luke Gliganic laut APA auf rund 105.000 Jahre vor unserer Zeit datiert werden konnte.

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Die Funde belegen, dass diese steinzeitlichen Binnenmenschen Verhaltensweisen und kognitive Fähigkeiten an den Tag legten, welche gleichwertig sind mit jenen die man beim Homo sapiens zur gleichen Zeit in unmittelbarer Küstennähe antrifft.

Michael Meyer

Rituelle Handlungen vollzogen
Am Ga-Mohana-Hügel fanden die Wissenschafter 42 großteils verbrannte Überreste von Straußeneierschalen, die vermutlich einmal als Wasserbehälter dienten. Außerdem gruben sie 22 markant geformte, weiße Kristalle in jener alten Ablagerungsschicht aus. Die Kristalle wurden den Forschern zufolge gezielt zusammengetragen, obwohl sie keinen unmittelbaren Nutzen für die Menschen dort hatten. Sie spielten vermutlich eine Rolle in rituellen Handlungen an diesem Ort, der bis heute von der dort ansässigen Bevölkerung als spiritueller Ort des Gebetes genutzt wird.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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