Marco Pogo im Talk

„Jeden Tag nutzen, denn es könnte der letzte sein“

Burgenland
20.02.2026 07:00

Dominik Wlazny alias Marco Pogo ist Arzt, „Bierpartei-Gründer“, Frontman der Punk-Band „Turbobier“ und Kabarettist. Am 22. Februar will der Wiener im Burgenland für Lacher sorgen. Ein Gespräch über Verluste, Traumata und seine politische Zukunft. Plus: Jetzt Tickets gewinnen!

„Krone“: Herr Pogo, Sie touren aktuell mit Ihrem neuen Kabarettprogramm „Lost & Found“ durch Österreich und Deutschland. Worum geht’s?
Marco Pogo: Es geht ums Verlieren und Wiederfinden. Und verlieren kann man relativ viel – das Handy, den Schlüssel, den Überblick, den roten Faden. Wichtig ist, dass man sich bemüht, alles irgendwie wiederzufinden.

Was haben Sie schon verloren, und hoffen, durch heitere Abende wiederzufinden?
Ich verliere meist den Überblick über meinen Kalender. Das bringt mich oft in unangenehme Situationen. Vor allem in der Reiseplanung ist das schlecht, wenn man nicht weiß, wann man wo sein muss. Weil man vielleicht auch einfach zu faul ist, nachzusehen – das ist bei mir der Fall. So bin ich schon einige Male an mir selbst gescheitert. Inzwischen kenne ich aber meine Schwächen und schaue einfach im Handy nach, damit ich nicht wieder vier Wochen zu früh in Norwegen stehe. Oder eine Woche zu früh in Tirol.  Das war aber weniger problematisch, denn Tirol ist an meinem Heimatbezirk Wien-Simmering näher als Norwegen.

Ist das Programm Selbstsuche, Therapie auf Steuerkosten oder eine Abrechnung mit allen?
Ich bin ein politischer Mensch und eine gewisse Schonungslosigkeit ist schon notwendig, vor allem in Zeiten wie diesen. Es ist aber kein politisches Programm, sondern ein Streifzug durch mein Leben. Ich teile Anekdoten und Geschichten, die unbedingt erzählt gehören, bevor ich sie wieder vergesse. Das wäre ewig schade. Natürlich sind auch eine gehörige Portion Gesellschaftsdiagnose und Turbo-Schmäh dabei.

Gibt es eine Pointe im Programm, bei der Sie selbst jedes Mal schlucken müssen? 
Ja, wenn ich über die Gemächtgröße des US-amerikanischen Präsidenten spekuliere. Wenn jemand nach der Vorstellung sagt „Das war zu viel“, ist das definitiv ein Kompliment für mich.

Die Songs auf dem bald erscheinenden Album sind „lebensbejahend und unterhaltsam“, verspricht ...
Die Songs auf dem bald erscheinenden Album sind „lebensbejahend und unterhaltsam“, verspricht Pogo.(Bild: Pogo's Empire)

Auch musikalisch tut sich Neues bei Ihnen. Am 1. Mai bringen Sie mit Ihrer Punkband „Turbobier“ ein neues Album heraus. Provokanter Titel: „Das Leben ist ein Oaschloch“. Meinen Sie das ernst oder ist diese Aussage einfach nur gut fürs Marketing?
Es ist eigentlich ein sehr positiver Titel, auch wenn er etwas pessimistisch daherkommt. Ich finde, man sollte jeden Tag wirklich nutzen, denn es könnte der letzte sein, weil das Leben eben ein Oaschloch sein kann – und oft auch ist.

Wer genau ist dieses „Oaschloch“ in Ihren Augen: Gott, das Schicksal, verletzende Menschen, Sie selbst?
Ich glaube nicht an Schicksal. Vielleicht ist es einfach nur Pech, das man manchmal hat. Das kann wirklich jede und jeden treffen.

Hat Ihnen das Leben schon mal so richtig übel mitgespielt, dass Sie sich selbst heute noch nicht von dem Trauma ganz erholt haben? 
Ich wurde einmal in der ZIB2 über Drogenerfahrungen ausgefragt. Das muss man alles erst mal verarbeiten. Einschneidend war auch, als ich mal fünf Tage zu früh zu einer Halloween-Party ging. Ich habe mich als Chirurg mit blutverschmiertem Outfit verkleidet, weil ich nix anderes daheim hatte. Wenn du so in der U-Bahn stehst und es gar nicht Halloween ist, kann das schon traumatisch sein.

Er bewegt die Massen.
Er bewegt die Massen.(Bild: ANDREAS TROESTER)

Werden die Songs so wütend, resignierend und hoffnungslos klingen wie der Titel des Albums vermuten lässt? 
Nicht wütend, generell lebensbejahend und unterhaltsam. 

Viele Menschen schimpfen auf das Leben, weil sie unzufrieden sind und glauben, nichts daran ändern zu können. Sie werden heuer 40. Ist dieses Album auch Ihre Midlife-Crisis auf Vinyl?
Nein, sowas wie eine Midlife-Crisis habe ich nicht. Aber natürlich wird man älter. Hie und da hat man Kreuzweh und denkt manchmal über das eigene Sein nach. Das gehört dazu. Mir ist wichtig, dass ich mir auch Ende 30 die Leichtigkeit von Mitte 20 erhalte.

Welcher Song auf dem Album geht Ihnen besonders nahe? 
Der titelgebende Song „Das Leben is ein Oaschloch“. Die Single erscheint schon in ein paar Wochen, rechtzeitig vor dem Album-Release. Dass „Turbobier“ am „Tag der Arbeit“ ein Album veröffentlicht, hätte ich mir nicht zu träumen gewagt.

Wie viel Therapie steckt in diesen Nummern?
Zum Glück sehr wenig, wobei ich fix davon überzeugt bin, dass Musik eine therapeutische Wirkung hat. Ich freue mich aber über alle, die nach Konzerten zu mir kommen und mir erzählen, dass sie sich in Song XY sehr wiedergefunden haben.

Wird das Album Ihr bisher ehrlichstes Werk oder nur Ihr lautestes?
Wahrscheinlich mein erwachsenstes Album und garantiert auch mein Sound-technisch dreckigstes.

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Ob ich beim Schreiben zuerst das Bier oder die Gitarre in der Hand hatte? Wie immer beides.

Marco Pogo

(Bild: Pogo's Empire)

Kommen wir zur Politik. Burgenlands Alt-Landeshauptmann Hans Niessl hat sich für die Bundespräsidentenwahl 2028 vor kurzem als Anwärter selbst ins Spiel gebracht. Sie haben 2022 als Parteichef der Bierpartei dafür kandidiert und mit etwa acht Prozent der Stimmen einen überraschend starken dritten Platz erreicht. Wagen Sie 2028 einen zweiten Versuch?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Wovon hängt Ihre Entscheidung ab?
Garantiert von meiner Lebenssituation. Derzeit bin ich 24/7 mit Musikmachen und Kabarettspielen eingedeckt.

Die „Krone“ verlost für die Vorstellung am Sonntag im Kultursaal in Bad Tatzmannsdorf 2x2 Karten. Jetzt mitspielen: facebook.com/kroneBGLD oder instagram.com/kroneburgenland

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