Geld spielt eine Rolle

Landarzt sucht Jungmediziner – doch keiner kommt

Nachrichten
17.02.2026 11:00

Landarzt Norbert Kroißenbrunner aus Turnau in der Steiermark würde gerne wieder einen Jungmediziner ausbilden – doch die Stelle ist seit Monaten unbesetzt. Und das, obwohl die Lage zwischen Wien und Graz auch einige „Zuckerl“ bietet.

Die Hochschwabpraxis in Turnau ist eine moderne Hausarztpraxis. Fläche ist mehr als ausreichend vorhanden, auch für die im Haus angebotenen fachärztlichen Leistungen (Kinderärztin, Rheumatologe) und ergänzende Gesundheitsberufen wie Physiotherapie oder Ernährungsberatung. An Patienten mangelt es nicht. 

Wenn ein Turnusarzt nach seiner dreijährigen Spitalszeit zur Ausbildung in die Hausarzt-Praxis kommt, verfügt er „schon über eine gewisse klinische Erfahrung, ist aber noch nicht berechtigt, alleine zu arbeiten. Endverantwortlich für das, was passiert, bin ich. Das bedeutet auch, dass es ein Mehraufwand ist, diesem jungen Kollegen etwas beizubringen. Ich mache es aber gerne, weil das Arbeiten im allgemeinmedizinischen Bereich am Land derart interessant und herausfordernd ist, dass ich das gerne weitergebe“, beschreibt der erfahrene Hausarzt Norbert Kroißenbrunner.

Die Hochschwabpraxis im Zentrum von Turnau
Die Hochschwabpraxis im Zentrum von Turnau(Bild: Peter Bernthaler)

Mehr Aufgaben und 1000 Hausbesuche im Jahr
Er ist sich sicher: „Im ländlichen Bereich ist das Aufgabenspektrum viel breiter ist als im städtischen Bereich. Spezialisierte Fachärzte oder Spitalsambulanzen sind dort schneller greifbar. In einer Landarzt-Ordination kommen mitunter auch Akutfälle vor, etwa, dass ein Patient mit akutem Herzinfarkt aus meiner Ordination weg in notärztlicher Begleitung in das Krankenhaus geführt wird.“

Dazu kommen rund 1000 Hausbesuche im Jahr: „Wie sollte jemand, der in Seewiesen wohnt und kein Auto hat, zu mir kommen?“, fragt sich Kroißenbrunner, der auch nach Forst- oder Verkehrsunfällen unterstützt.

„Gender-Streit“ sorgte für Schlagzeilen
Seit rund 15 Jahren arbeitet Norbert Kroißenbrunner in der Praxis, zunächst als Vertretung seines Vaters, vor fünf Jahren übernahm er die Praxis. Mitte 2024 lief dann eine „Gender-Auseinandersetzung“ mit der Med-Uni Graz derart aus dem Ruder, dass Kroißenbrunner kurz die Lehrbefugnis entzogen wurde. Allerdings nur „für 20 Stunden“, sagt er mit heiterer Erinnerung, „dann wurde das in einem klärenden Gespräch mit dem Vizerektor ausgeräumt“.

Weniger Einkommen schreckt Jungmediziner ab
Die Lehrpraxis dauert aktuell neun Monate. Kroißenbrunners bislang letzter Turnusarzt war im September fertig. Bereits ein paar Monate davor war die Stelle neu ausgeschrieben worden. Aktuell noch ohne Resonanz. Warum?

Ein Grund dafür könnte das Einkommen sein. Laut Kroißenbrunner verdient man „durch kürzere Arbeitszeiten und den Wegfall der Nachtdienste in der Lehrpraxis etwa um ein Drittel weniger“ im Vergleich zum Spitalsturnus. Die Hochschwabpraxis hat 20 Wochenstunden geöffnet, daraus resultiert ein Anstellungsverhältnis im Ausmaß von 30 Wochenstunden. „Jemand, der drei Jahre mit Vollzeit-Anstellung und drei bis fünf Nachtdiensten im Krankenhaus angestellt war, fällt also finanziell runter.“

Dem Finanziellen steht aber geballter Wissenserwerb und eine Unmenge an praktischer Erfahrung gegenüber: „Wer nahe am Menschen sein und Einblick in die Familienstrukturen bekommen möchte, die oftmals für das Gesamtbild der Gesundheit wesentlich ist, wer Patienten im Alter von zwei Wochen bis 100 Jahre behandeln möchte, wer Allgemeinmedizin breit erleben möchte statt ein zunehmend fokussiertes Spezialistentum – der ist in einer Landarzt-Ordination gut aufgehoben. Und wird hier die Möglichkeit finden, seinen Wissensstand unheimlich zu erweitern“, umreißt Kroißenbrunner. Plus: Eine Dienstwohnung wird kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Die Lage von Turnau bietet eine Fahrzeit von rund eineinhalb Stunden nach Wien oder Graz. Dazu kommen viel Natur, ein breites Vereinswesen, ein vielfältiges Kulturangebot im nahen Aflenz. „Wir sind hier gut am Land, aber auch schnell in den Zentren – geografisch perfekt gelegen“, wirbt Kroißenbrunner.

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