19.03.2021 12:45 |

Austro-Beteiligung

Forscher entschlüsseln Ursache für Thrombosen

Die Ursache für Thrombosen nach Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff ist möglicherweise entschlüsselt: Deutsche Forscher denken, ein bestimmter Mechanismus könnte für die Reaktionen nach der Spritze verantwortlich sein. In seltenen Einzelfällen könnten über die Immunantwort des Körpers die Blutplättchen aktiviert werden, was wiederum zu den schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel führe, so die These.

Eine ähnliche Vermutung hatten Forscher in Norwegen bereits geäußert - nun sorgt die Erkenntnis eines Forscherteams der Universitätsmedizin Greifswald mit österreichischer Unterstützung für Aufsehen. Wie die norwegischen Wissenschaftler meinen die deutschen, Wiener und Grazer Kollegen, dass über eine starke Immunantwort und dabei entstehende Antikörper, die an die Blutplättchen andocken und diese aktivieren, die gefährlichen Blutgerinnsel ausgelöst werden können.

„In diesem Fall werden die Blutplättchen ohne Wunde aktiviert“
Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald, erklärte gegenüber Ö1, dass Proben von neun Betroffenen, darunter auch welchen aus Österreich, untersucht worden seien. Dabei habe man festgestellt, dass die Patienten durch die Impfung Abwehrstoffe entwickeln, die an die Blutplättchen andocken. „Blutplättchen haben normalerweise die Aufgabe, Wunden zu verschließen - in diesem Fall werden sie aber ohne Wunde aktiviert und beginnen damit, die Blutgerinnung zu aktivieren“, so Greinacher.

Symptome treten meistens zwischen Tag fünf und 14 auf
Noch offen sei, ob diese Reaktion direkt oder indirekt durch das Vakzin ausgelöst wird - indirekt etwa durch das durch die Impfung hervorgerufene Fieber oder Gelenkschmerzen. Greinacher betonte, dass Folgereaktionen kurz nach der Impfung kein Indikator für eine Gerinnungsstörung sei, wohl aber sollte man ab dem Tag fünf bis rund zwei Wochen danach auf Symptome achten - wie etwa ein schmerzendes, angeschwollenes Bein oder starke Kopfschmerzen. Dann sei sofort ein Arzt aufzusuchen.

Weil man nun weiß, was nach der Injektion ausgelöst werden kann, hat man auch die Medikation dagegen, sagte Greinacher. Der Mediziner warnte aber davor, die Mittel vorbeugend zu verabreichen oder einzunehmen, wie dies bereits der Leiter der Uni-Klinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien, Markus Zeitlinger, gegenüber der „Krone“ getan hatte.

EMA bestätigte Sicherheit des Impfstoffes
Fälle von Hirnvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung hatten zum zeitweisen Stopp der AstraZeneca-Impfungen in Deutschland und einigen weiteren Ländern geführt. Hinweise darauf, dass die Impfungen tatsächlich die Vorfälle verursachten, hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA nicht gefunden. Sie bekräftigte am Donnerstag die Sicherheit des Impfstoffs. Das Vakzin AZD1222 soll nun mit der Warnung versehen werden, dass es in möglichen seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 55 Jahren verursachen könnte. 

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