16.03.2021 10:51 |

Zypern und Luxemburg

AstraZeneca-Stopp: Liste der Länder wird länger

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca ist dieser Tage nicht aus den Schlagzeilen wegzudenken: Hatten sieben EU-Länder, darunter Deutschland, bereits die Impfungen mit dem umstrittenen Vakzin gestoppt, gesellten sich am Dienstag weitere Länder wie Schweden, Zypern oder Luxemburg zu jenen Staaten, die das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns vorläufig nicht einsetzen. Österreich trotzt dem europäischen Trend und wird weiter mit AstraZeneca impfen.

Nach anderen Ländern hatten am Montag unter anderem Deutschland, Frankreich und Italien die Impfungen mit AstraZeneca ausgesetzt, nachdem es Berichte über Fälle von sehr seltenen Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegeben hatte. Am Dienstag folgten dann weitere Länder: Der EU-Inselstaat Zypern - der jetzt 50.000 Dosen des russischen Präparats Sputnik V kaufen will - und auch Luxemburg, ebenso wie Schweden und Lettland, stoppen vorübergehend Impfungen mit dem Präparat des britisch-schwedischen Herstellers.

Venezuela will AstraZeneca gar nicht erst genehmigen
In anderen Teilen der Erde gehen Länder sogar noch weiter: So will Venezuela den AstraZeneca-Impfstoff vorerst gar nicht erst genehmigen, wie das Außenministerium in Caracas auf Twitter in der Nacht auf Dienstag bestätigte. Der südamerikanische Krisenstaat hätte laut der Zeitung „El Nacional“ von der internationalen Covax-Initiative zwischen 1,4 und 2,4 Millionen Dosen des AstraZeneca-Präparats bekommen sollen.

In Österreich hatte das Nationale Impfgremium eine vorläufige Empfehlung zur weiteren Verwendung des Impfstoffs abgegeben, stellte aber auch klar, dass Daten fehlten. Man werde daher am Dienstag wieder debattieren. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte zuvor eine „raschestmögliche, klare Stellungnahme von den europäischen Behörden für ein gemeinsames gesamteuropäisches Vorgehen“ verlangt. Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte bereits angekündigt, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen

Am Dienstag geimpft mit dem umstrittenen Vakzin wurde indessen der thailändische Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha und Mitglieder seines Kabinetts. Das südostasiatische Land hatte die Impfungen mit AstraZeneca am vergangenen Freitag mit Blick auf die Entwicklungen in der EU zunächst verschoben. „Es wurde verifiziert, dass es durch den AstraZeneca-Impfstoff keine schlechte Reaktion gibt“, wischte der thailändische Regierungschef Bedenken am Dienstag vom Tisch.

Experten kritisieren Impfstopp: „Desaster“
Während nun immer mehr Länder die Verwendung des AstraZeneca-Vakzins aussetzen, zieht Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery den vorläufigen Stopp in Zweifel (siehe Video unterhalb). „Dass Menschen Thrombosen und Lungenembolien bekommen, muss nicht unbedingt etwas mit der Impfung zu tun haben“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Montgomery warnte vor einem Imageschaden für den Impfstoff. „Unter dem Strich ist es leider so, dass dieser eigentlich gute und wirksame Impfstoff durch den Wirbel und die Impf-Aussetzung in vielen Ländern nicht gerade eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnt“, sagte der Weltärztepräsident. Eine grundsätzliche Überprüfung der Vorfälle begrüßte Montgomery allerdings.

Die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) habe noch einmal bestätigt, dass AstraZeneca ein sicherer und effektiver Impfstoff gegen das Corona-Virus sei. „Trotzdem ist es richtig, dass die nationalen Behörden die Verdachtsfälle auf schwere Nebenwirkungen prüfen.“ Laut internationalen Studien sei die Thrombose-Häufigkeit in der Placebo-Gruppe und in jener mit Impfstoff aber in etwa gleich gewesen.

Der britische Experimentalmediziner Peter Openshaw verurteilte die Aussetzung indes scharf. „Ich denke, das ist ein Desaster für die Akzeptanz von Impfungen in Europa, die in einigen Ländern ohnehin schon auf wackeligem Boden steht“, sagte der britische Forscher des Imperial College London am Dienstag der BBC. „Es ist sehr eindeutig, dass die Vorteile einer Impfung die mögliche Sorge vor dieser seltenen Art der Blutgerinnsel weit überwiegen“, so Openshaw.

Quelle: APA

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