Joe Frazier gegen Muhammad Ali. Anders gesagt: der „Kampf des Jahrhunderts“. Es war ein richtiger Hype um den Box-Sport damals. Jetzt liegt das berühmteste Box-Match aller Zeiten 50 Jahre zurück.
Erinnern Sie sich an den Film „Prinz von Zamunda“ mit Eddie Murphy, wo die alten Herren in Queens über die weltbesten Boxer streiten? Ja, so wichtig war damals Boxen. Allerdings war es nie wichtiger, als am 8. März 1971, als im New Yorker Madison Square Garden der Titelverteidiger Muhammad Ali auf Joe Frazier traf. Von Frank Sinatra über Woody Allen, bis hin zu Diana Ross waren alle Berühmtheiten in Manhattan anwesend.
Zwei ungeschlagene Boxer
Es war wirklich ein Kampf der Superlative. Das wusste man schon im Vorfeld. Zwei Olympiasieger, zwei Weltmeister, zwei Ungeschlagene, es ging wirklich um viel. Zum Titelkampf kam es, weil Ali, wegen seiner Weigerung, in den Vietnam-Krieg zu ziehen, sein Titel aberkannt wurde. Er landete vorher 31 Siege, Frazier stand bei 26. Beide kassierten jeweils 2,5 Millionen Dollar für den Kampf, in dem Frazier Ali die erste Niederlage überhaupt zufügte.
Gnadenlose Promotion
Die Promotion war wie gewohnt martialisch und brutal. Ali beschimpfte seinen Gegner als „Gorilla“, als „Uncle Tom“, als einen „Weißen Schwarzen, den nur ein paar „weiße Sheriffs aus Alabama und Mitglieder des Ku-Klux-Klans“ siegen sehen wollen. Zudem behauptete Ali: „Ich kämpfe für den kleinen Mann im Ghetto.“ Dabei war es Frazier, der sich in Philadelphia in Schlachthöfen für sein tägliches Brot abrackerte, während Ali in Louisville in Kentucky praktisch im Mittelstand aufgewachsen war. Viele Fans interessierten sich für den Jahrhundertkampf, weil sie hofften, dass der „arrogante“ Ali eine Lektion erteilt bekommt.
36 Länder, ungefähr 300 Millionen Menschen schauten sich die 15 Runden an. 600 Journalisten waren anwesend und dazu noch 19.000 Fans im Madison Square Garden. Für einen Sitzplatz zahlte man gut und gerne 1000 Dollar. In Europa war es 4.30 Uhr am Morgen. Viele Menschen entschieden sich, nicht schlafen zu gehen.
Der Kampf:
Gleich zu Beginn sah man schon, wie der Kampf ablaufen wird: Ali tanzte und schlug Geraden, Frazier bückte sich vor den Schlägen weg, Ali konnte ihn nicht treffen. Daran war er von den anderen Gegnern nicht gewöhnt. Trotzdem behielt er in den ersten zwei Runden die Oberhand. In der dritten Runde kam aber die Wende: Frazier drängte Ali in die Defensive und traf mit einem linken Haken. Alis Fußarbeit, die seine größte Waffe war, war nach den langen Monaten der Pause nicht so stark, wie die von „Smokin‘ Joe“. Und Frazier schlug seltener zu, als Ali, aber wenn er traf, dann traf er voll. So ging es bis zur achten Runde.
In der neunten Runde ging ein Ruck durch Ali. Als ob er alle seine Kräfte dafür aufgespart hätte. Er tanzte wieder und konterte die Schläge von Frazier mit Serien. Der Madison Square Garden war ein Tollhaus. Frazier konnte den Links-Rechts-Kombinationen des Titelverteidigers immer weniger entkommen, deswegen schwoll sein Auge an und seine Sicht wurde immer schlechter. In der elften Runde kam die Entscheidung: Ali rutschte aus, er sprang sofort auf, wurde aber in eine Ecke gedrängt, holte sich dort einen fürchterlich starken linken Haken von Frazier und musste sich danach am Seil festhalten. Ali wirkte geknickt, er wurde aber nicht angezählt. Auch die zwölfte Runde ging an Frazier.
Showdown in der 15. Runde
In der 13. Runde versuchte Ali alles, er schlug pausenlos auf den Körper seines Gegners ein, dieser konnte sich nicht mehr so schnell wegbücken, als zu Beginn des Kampfes. Ali traf seine Nase, seine Stirn, überall am Kopf, aber es war zu spät. In der restlichen Zeit hielten sich die Gegner immer öfter, Frazier wusste, die Zeit arbeitet für ihn. Und die endgültige Entscheidung folgte in der letzten, 15. Runde: Noch einmal ein Handshake, Ali tanzte, holte nach seiner ersten Kombination zu einem Rechts-Schlag aus und genau in dem Moment wurde er am ungedeckten Kinn getroffen. Praktisch ein Knock-Out. Ali lag auf seinem Rücken, dann drehte er sich und stand auf. Das Publikum brüllte, der Schiedsrichter Arthur Mercante zählte bis acht, jeder wusste, Ali ist geschlagen. Der gab aber nicht auf, rannte noch einmal auf Frazier zu, versuchte, eine Links-Rechts-Serie, seine Schläge ließen aber die Härte vermissen. Das war’s.
Versöhnung 30 Jahre später
Frazier meinte nach dem Kampf zu Ali: „Ich hab‘s geschafft, jetzt bin ich der echte Weltmeister“. Ali musste traurig seine Niederlage eingestehen. Tat er aber nicht, er sah sich lange noch als den Besseren im Ring. Erst zwei Duelle und 30 Jahre später kam es zu einer Versöhnung der beiden Box-Helden: Ihre Töchter Laila Ali und Jacqui Frazier-Lyde kämpften gegeneinander. Da erklärte der Vater von Leila: „In der Hitze des Gefechts habe ich einige Dinge gesagt, die ich nicht hätte sagen sollen. Ich habe ihm (Frazier) Namen gegeben, die ich ihm nicht hätte geben sollen. Das tut mir leid. Es war lediglich, um den Fight zu promoten.“ Frazier nahm die Entschuldigung an. Bei der Beerdigung von Frazier 2011 erwies ihm Ali die letzte Ehre. Er applaudierte dem großen Gegner.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.