05.03.2021 20:01 |

Unfall vertuscht?

Neue Vorwürfe gegen Masken-Firma Hygiene Austria

Die Zweifel an der FFP2-Maskenproduktion von Hygiene Austria wachsen. Neben dem Verdacht auf schweren gewerbsmäßigen Betrug, weil ausländische Masken umetikettiert wurden, gibt es weitere Vorwürfe: Es gibt Berichte über Schwarzarbeiter, schlechte hygienische Bedingungen und einen schweren Arbeitsunfall in der Fabrik in Wiener Neudorf, der vertuscht worden sein soll.

Nachdem Korruptionsermittler den Verdacht auf Schwarzarbeit und schweren gewerbsmäßigen Betrug wegen der Umetikettierung der Masken aus China geäußert haben, räumte das Unternehmen ein, dass ein Teil der als „Made in Austria“ vermarkteten Masken in China zugekauft wurde. Allerdings sei dies nur zur Abdeckung von Nachfragespitzen geschehen. Der „Standard“ schreibt hingegen von einem fixen Schlüssel beim Vermischen: Je drei „österreichische“ Masken seien zusammen mit 17 aus China verpackt worden.

Der „Standard“ berichtet unter Berufung auf einen „Informanten“ und auf Ermittler auch, dass es in der Produktionsstätte um Hygiene schlecht bestellt gewesen sei. Zumindest einmal soll ein schwerer Arbeitsunfall als Haushaltsunfall vertuscht worden sein. Mitarbeiter seien von unseriösen Zeitarbeitsfirmen vermittelt worden, die nicht Mitglied im Verband der Personaldienstleister gewesen seien.

Undurchsichtige CE-Prüfung
Unklarheiten gibt es auch bei der Prüfung der Masken. Das CE-Kennzeichen der Masken wurde von einem ungarischen Institut gemacht, ein Schweizer Institut übernahm die Qualitätskontrolle für die zugekauften chinesischen Masken, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag zur APA. Zur Zeit der Erstellung des CE-Kennzeichens habe es kein österreichisches Institut gegeben, das dies hätte machen können.

Qualitätsmäßig sei zwischen den chinesischen und österreichischen Masken kein Unterschied, so der Sprecher. Das Problem sei das falsche Versprechen „Made in Austria“. Darauf angesprochen, dass die Hygiene Austria auf ihrer Homepage noch immer mit „Made in Austria“ wirbt, sagte er, dass nur noch Masken österreichischer Produktion verkauft würden. Im Moment gingen aber keine Bestellungen ein.

Konkurrenz ortet Wettbewerbsverzerrung
Nachdem bekannt wurde, dass Hygiene Austria, ein Joint Venture von Lenzing und Palmers, einen Teil seiner Masken in China fertigen ließ, haben die großen Handelsketten diese FFP2-Masken aus dem Programm genommen. Im „Kurier“ ist von möglichem unlauterem Wettbewerb in dem lukrativen Geschäft die Rede, die Konkurrenz sieht den Wettbewerb massiv verzerrt. Mitbewerber, die Qualität „Made in Austria“ angeboten hätten - wie etwa der Grazer Produzent Aventrium -, fühlten sich betrogen.

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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