27.02.2021 15:44 |

„Lage ist hochriskant“

Rendi-Wagner warnt vor weiteren Öffnungen

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat sich am Samstag angesichts der weiter steigenden Infektionszahlen klar gegen weitere Lockerungen ausgesprochen. „Ich warne vor weiteren Öffnungsschritten. Ich bin für einen Weg der Sicherheit, der Kontrolle und der Vorsicht. Ich will keine Situation, wie wir sie im November hatten, als Intensivstationen vor dem Kollaps standen. Die aktuelle Lage ist hochriskant“, sagte sie während einer Pressekonferenz. Öffnungen müssten nachhaltig sein und dürften keine weiteren Lockdowns zur Folge haben.

Im Vorfeld der für Montag geplanten Beratungen der Bundesregierung, bei der das weitere Vorgehen fixiert werden soll, erinnerte die SPÖ-Chefin an die aufrührenden Bilder aus Italien vor einem Jahr: „Ich will keine Situation, wie sie vor einem Jahr in Italien in den Krankenhäusern in Bergamo stattgefunden hat. Ich will auch keine Situation, wie sie gerade aktuell dieser Tage in Tschechien passiert, wo auch die Krankenhäuser in der Gesundheitsversorgung kollabieren.“ Eine solche Situation sei letztendlich für die Versorgung aller Patienten gefährlich, warnte sie.

Die türkis-grüne Regierung habe daher die zentrale Aufgabe, „den Anstieg der Infektionen zu stoppen und die Kontrolle über das Virus zu bekommen. Weitere Öffnungen zum jetzigen Zeitpunkt wären die Kapitulation vor dem Virus mit verheerenden Folgen für den Gesundheitsschutz und die Wirtschaft“, sagte die SPÖ-Chefin.

„Testen alleine reicht nicht“
Mit aktuell 2457 Neuinfektionen liegt die Zahl seit vier Tagen konstant über 2000. Man müsse davon ausgehen, dass sich dieser Trend fortsetzt, betonte Rendi-Wagner
, da man heute in den Statistiken die Ansteckungen von vor zehn Tagen sehe „Zu frühe Öffnungen und die sich immer schneller ausbreitenden Mutationen haben zu einer sehr instabilen Situation geführt“, so Rendi-Wagner. Vermehrtes Testen, wie es die SPÖ-Chefin seit Langem forderte, sei richtig und wichtig, aber: „Bei dieser zu hohen Fallzahl, die wir seit den Öffnungen und aufgrund der Mutationen sehen, kann Testen alleine diesen gefährlichen Anstieg nicht zu 100 Prozent unter Kontrolle bringen“.

SPÖ uneins
In der ÖVP reagierte man auf die SPÖ einmal mehr mit Verwunderung. Während Rendi-Wagner vor Öffnungsschritten warne, wünsche sich ihr interner Parteikritiker Hans Peter Doskozil unverzüglich mehr Öffnungsschritte, ohne die virologische Lage im Land zu berücksichtigen. Für einen Mittelweg zwischen Rendi-Wagner und Dosokozil sprach sich indes Wiens Bürgermeister Michael Ludwig aus. Er regte an, dass der öffentliche Raum mehr genutzt werden solle.

Auch Epidemiologin warnt
Vor Lockerungen warnt auch die Epidemiologin Eva Schernhammer. Aufgrund der „sehr komplexen“ Situation sei es derzeit nicht möglich, die weitere Entwicklung vorherzusagen, sagte sie gegenüber der APA. Nur bei stabilen Infektionszahlen können man weitere Öffnungen andenken. Die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Epidemiologie wird der Regierung bei den Beratungen am Montag daher empfehlen, vorerst keine Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu verkünden.

Nach den Lockerungen vor drei Wochen sind die Zahlen deutlich angestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern liegt bei 150, die geschätzte effektive Reproduktionszahl mit 1,11 klar über dem kritischen Wert von 1,0. Zudem breitet sich die stark ansteckende südafrikanische Virusvariante weiter aus.

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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