05.02.2021 23:30 |

Im Stich gelassen?

Aufregung um „Impfplan ohne Feuerwehr“

In der aktuellen Version des nationalen Covid-19-Impfplans kommt die Gruppe der kritischen Infrastruktur, die in der vorigen Version noch erwähnt wurde, nicht mehr vor. Stattdessen ist in Phase 2 ab Ende März eine Impfung für „Beschäftigte mit direktem Personenkontakt und erhöhtem Ansteckungsrisiko in Polizei, Strafvollzug, Bundesheer“ vorgesehen. Die Feuerwehr wird nicht erwähnt, was der Bundesfeuerwehrverband heftig kritisiert. Kritik am neuen Impfplan kommt auch von SPÖ und FPÖ. Das Gesundheitsministerium begründet den Schritt mit dem noch immer herrschenden Mangel an Impfstoff. Die für Ehrenamt zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) erklärte am Abend schließlich, dass die Feuerwehr „selbstverständlich priorisiert“ werde.

Für die Unterstützung der Massentests sei man noch „gut genug“ gewesen, nun werde man komplett aus dem Impfplan gestrichen, übte Feuerwehrpräsident Albert Kern am Freitag Kritik.

Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch ist diese Vorgangweise der türkis-grünen Regierung „völlig inakzeptabel“. Deutsch forderte die Regierung auf, ihr „zermürbendes Dauerchaos“ endlich in den Griff zu bekommen und genügend Impfstoffe zu beschaffen: „Es ist Aufgabe der Regierung, jene zu schützen, die uns jeden Tag schützen. Die Feuerwehr darf nicht im Stich gelassen werden.“

FPÖ: Feuerwehrleute bevorzugt berücksichtigen
Auch die FPÖ reagierte mit Unverständnis. Bundesparteiobmann Norbert Hofer: „Es waren auch die Mitglieder der Feuerwehren, die in den letzten Monaten dazu beigetragen haben, dass die überhasteten und nicht koordinierten Pläne für Massentests in Österreich erfolgreich umgesetzt werden konnten.“ Da viele Impfstraßen auch mit dem Einsatz der freiwilligen Feuerwehren betrieben würden, seien diese einer hohen Infektionsgefahr ausgesetzt und müssen bei der Impfung bevorzugt berücksichtigt werden.

Ministerium verweist auf Impfstoffknappheit
Das Gesundheitsministerium begründet den Schritt auf Nachfrage von krone.at mit der immer noch herrschenden Impfstoffknappheit. Man habe die Phase 2 neu definiert, um sicherzugehen, dass jene Personengruppen vorrangig geimpft werden, die einem besonders hohen Risiko ausgesetzt seien - etwa Lehrer.

Aufgrund der großen Anzahl von Mitgliedern bei freiwilligen Feuerwehren in Österreich - mehr als 250.000 - könne man es nicht rechtfertigen, diese früher zu impfen als Personen, die ein medizinisches Risiko für einen schweren Verlauf haben. Zu diesen zählen Menschen mit Vorerkrankungen oder über 65 Jahren.  

„Impfung in Phase 3 vorgesehen“
Das Ministerium rechnet damit, dass im 2. Quartal weitaus mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr könnten sich daher mit Beginn der Phase 3 rasch impfen lassen - dann, wenn sich laut Impfplan die Gesamtbevölkerung, priorisiert nach Alter und Risiko, piksen lassen darf.

Köstinger: „Vorzeitige Impfung selbstverständlich“
Die für Ehrenamt zuständige Ministerin Köstinger (ÖVP) war am Abend um Beruhigung bemüht: Die Feuerwehren seien „wesentliche Bestandteile unserer Blaulicht- und Einsatzorganisationen und unverzichtbare Stützen unserer Gesellschaft“, betonte Köstinger via Aussendung. Es sei „eine Selbstverständlichkeit, dass Angehörige der Feuerwehr, die bei Test- oder Impfstraßen im Einsatz sind, im Rahmen der Priorisierung - so wie das Gesundheitspersonal - bereits vorzeitig geimpft werden“, stellte die Ministerin klar. Die Feuerwehr in ihrer Gesamtheit werde darüber hinaus, gemeinsam mit anderen Einsatzorganisationen prioritär behandelt und dementsprechend im Impfplan berücksichtigt.

„Absoluten Vorrang haben allerdings jetzt ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, die besonders schutzbedürftig sind, weil bei ihnen in vielen Fällen Ansteckungen zum Tod führen können“, so die Ministerin. Je mehr Impfstoff vorhanden sei, desto schneller könnten Impfungen erfolgen.

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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