24.01.2021 10:31 |

Liebe ist käuflich

Hans Dichand und die erotische Macht des Geldes

Geld allein macht nicht glücklich. Aber für Liebesglück spielt Geld eine wesentliche Rolle. Gerti Senger über die göttliche Danaë und Hans Dichand, der oft von der erotischen Macht des Geldes (und Goldes) als „biologischer Schlüsselreiz“ sprach - und damit wie so oft den Nagel auf den Kopf traf.

Ich weiß, was Sie jetzt sagen: Liebe ist nicht käuflich. Und Geld ist nicht alles. Stimmt. Aber wir sind alt genug, um zu wissen, dass man sich mit Geld nicht nur Geschäftsbeziehungen, sondern auch Liebe erkaufen kann. Urteilen Sie selbst.

Bea, eine hübsche unterbezahlte Kindergarten-Assistentin, war die Partnerin von Christian, einem attraktiven, gut verdienenden Unternehmensberater. Sie musste sich für gemeinsame Urlaube Geld ausleihen und stotterte die Rechnung für eine Zentralheizung in Raten ab, während Christian mit Business-Class Kurzurlaub in Dubai machte. Bea fühlte sich bei ihm nicht gut aufgehoben, reagierte sexuell nicht mehr und beendete schließlich die Beziehung. Jetzt dated Bea einen Volksschullehrer, der ihr, seinem finanziellen Rahmen entsprechend, Geld nicht vorenthält.

Anders lief es bei Katja. Um sie bemühten sich Friedrich und Patrick. Im Gegensatz zu dem gut situierten, eher unattraktiven Friedrich war Patrick fesch, aber ein verschuldeter Loser, der Katja nicht einmal zum Heurigen einladen konnte. Friedrich kaufte Katjas kleinem Sohn das ersehnte Fahrrad und bestand darauf, ihr Konto auszugleichen. Vor Kurzem heiratete Katja Friedrich. Sagen Sie jetzt nicht, dass Katja nur Friedrichs Geld im Sinn hatte. Sie ist wirklich verliebt und hat gern Sex mit ihm. Er fasziniert mit seiner Tüchtigkeit, Esprit und den Möglichkeiten der Bedürfniserfüllung, die mit Geld verbunden sind.

Hans Dichand sprach von der erotischen Macht des Geldes (und Goldes) als „biologischer Schlüsselreiz“ und traf damit wie so oft den Nagel auf den Kopf.

Schlüsselreize, zum Beispiel Düfte, die weibliche Brust oder männlich breite Schultern, lösen sexuelle Lust aus und sichern so den Erhalt der Spezies. Geld – früher hieß es Gold und ist Geld gleichzusetzen – ist nicht nur ein Tauschmittel, es ist auch ein biologischer Schlüsselreiz. Geld macht sinnlich, denn es schafft jene innere Sicherheit und Angstfreiheit, die ultimativen Genuss ermöglicht. Wir Psychotherapeutinnen kennen viele Geschichten von Frauen, die nicht schwanger werden, orgasmusunfähig oder notorisch missgestimmt sind, weil ihnen der Partner innere Sicherheit nicht ermöglicht. Gold und Geld aktivieren im Gehirn wie eine Droge das Belohnungssystem und damit Glückshormone. Aktuelle Bedürfnisse von heute werden befriedigt, Wohlstandsängste von morgen beruhigt. Das öffnet Frauen, dem traditionell „schwächeren“ Geschlecht, Herz und Schoß.

Mythen zufolge war auch den Göttern nichts Menschliches fremd. Vielleicht hatte auch die göttliche Danaë Ängste und Sicherheitsbedürfnisse. Kein Wunder, dass sie dem phallischen Goldregen, in den sich Zeus verwandelte, um sie zu verführen, nicht widerstehen konnte. Er hatte Danaë schon in anderen Gestalten verführen wollen, aber korrumpierbar war sie erst durch Gold. Dass die Begegnung Folgen hatte, war klar: Danaë wurde schwanger. Die menschliche Spezies würde nicht existieren, wäre unser Verhalten nicht auf Sicherheit programmiert. Ein Mann, der nichts hergeben will, ermöglicht dieses Sicherheitsgefühl nicht. Aber ohne Sicherheit keine sexuelle Hingabe. Das sollte ein Mann bedenken, der mit jedem Cent knausert und sich wundert, dass seine Partnerin lustlos ist. Wenn er das kapiert, wird er sich viel ersparen.

Gerti Senger, Kronen Zeitung

Wer war Hans Dichand, wie hat er das Land und die Kronen Zeitung geprägt? Wer waren seine Wegbegleiter und wie bleibt er seiner Familie und Österreich in Erinnerung? Das alles und mehr lesen Sie heute in der Sonderausgabe zum 100er von Hans Dichand Ihrer „Krone bunt“!

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