Von Osterfrieden ist am Küniglberg keine Spur. Im ORF geht die Debatte längst über Gebühren, Gehälter und Programmfragen hinaus. Nun sorgt auch ein Bericht des „Standard“ für neue Brisanz: Demnach lädt der ORF-Stiftungsrat mögliche Bewerber für die Führung ab 2027 zu einem Sonder-Mediengipfel. Ein weiterer Beleg dafür, wie eng Macht, Medienpolitik und Personalfragen beim ORF verflochten sind?
Die Diskussion um den ORF wird immer grundsätzlicher. Längst geht es nicht mehr nur um einzelne Entscheidungen, sondern um die große Frage, wie unabhängig, glaubwürdig und reformfähig Österreichs größtes Medienhaus noch ist. Viele Gebührenzahler verlangen seit Monaten mehr Transparenz, weniger Parteieneinfluss und einen klaren Fokus auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag.
Das machte auch der Aufruf „Die Stimme Österreichs“ von der „Krone“ deutlich, bei der sich binnen weniger Tage fast 2000 User zu Wort meldeten und Vorschläge kundtaten. Nun bekommt die Debatte erneut neuen Zündstoff.
Stiftungsrat plötzlich selbst Thema
Für zusätzliche Brisanz sorgt nämlich ausgerechnet jenes Gremium, das bei der Besetzung der ORF-Spitze eine zentrale Rolle spielt: der ORF-Stiftungsrat. Wie der „Standard“ berichtet, lädt der Tiroler Stiftungsrat Stefan Kröll im Mai, nur wenige Tage vor Ablauf der Bewerbungsfrist für die ORF-Führung ab 2027, zu einer „Sonderedition“ seines Mediengipfels nach Seefeld. Dort sollen mehrere mögliche Bewerber bereits im Programm stehen.
In dem Zusammenhang werden gleich mehrere Namen genannt, die als mögliche Anwärter auf die künftige ORF-Führung gehandelt werden. Dazu zählen dem Bericht zufolge APA-Chef Clemens Pig, der frühere ProSiebenSat.1-Puls-4-Manager Markus Breitenecker, ORF-Niederösterreich-Landesdirektor Alexander Hofer sowie die derzeitige ORF-Chefin Ingrid Thurnher, die demnach ebenfalls „angefragt“ sei.
Der alte Vorwurf: zu viel Politik, zu wenig Distanz
Damit ist einmal mehr ein Thema auf dem Tisch, das den ORF seit Jahren begleitet: der Vorwurf der politischen Nähe. Der Stiftungsrat steht immer wieder in der Kritik, weil Beobachter in ihm nicht bloß ein Kontrollgremium sehen, sondern auch einen Ort, an dem parteipolitische Interessen und Netzwerke mitspielen.
Doch die Debatte geht noch weiter. Denn viele Zuseher und Gebührenzahler stören sich nicht nur an Personalfragen, sondern am System insgesamt. Immer wieder werden schlankere Strukturen, transparentere Entscheidungen und eine stärkere Orientierung an den Erwartungen des Publikums gefordert.
Das spiegelt auch der „Krone“-Aufruf „Die Stimme Österreichs“ wider. So schreibt User Siggi54: „Der ORF gehört sofort privatisiert!“. Auch Tortengraeber setzt einen eindeutigen Appell: „Mit Zwangsgebühren kann der ORF tun und lassen, was er will. Vertrauen lässt sich nur dann wiedererlangen, wenn der ORF keine Zwangsgebühren kassiert. Dann kommt es auf die reine Eigenleistung an.“ Passend zur neuesten Debatte meldet sich Axell zu Wort: „Der ORF-Stiftungsrat ist viel zu politisch und mit Interessenvertretern besetzt. Daher wird, wenn sich am Stiftungsrat nichts ändert, der Intrigantenstadl munter weitergehen.“
Die Emotionen kochen weiter über und die Unzufriedenheit hält weiter an. Ein Zustand, der sich wohl so bald nicht ändern wird.
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