16.01.2021 09:25 |

Hausmitteilung

Ein Lob der Empfindsamkeit

Seit demnächst einem Jahr durchleben wir eine besondere Zeit. Das ist - zugegeben - keine grandiose Erkenntnis oder Neuigkeit. Aber der Hinweis steht bewusst an erster Stelle. Er soll das einmalige Erlebnis, das uns eint, deutlich machen.

Besonders ist nicht nur das Virus und die sich daraus ergebende Herausforderung für das Gesundheitssystem, für die Wirtschaft und so vieles mehr im Alltag.

Diese besondere Zeit macht uns auch empfindlich. „Vulnerabel“, wie Politiker und Medizinbürokraten im Fernsehen und in den Zeitungen derzeit gerne und oft sagen. Das mag denen, die es sagen, klug klingen, es klingt aber in den Ohren der Nicht-Fachleute kalt und menschenfern. Das uns immer häufiger entgegen schlagende Fremdwort schafft Distanz zwischen den wenigen Wissenden und den vielen anderen. Das Wort vulnerabel ist noch viel größer als der zu Berühmtheit gekommene Babyelefant, der immer mehr die Entfernung zwischen Regierung und Bürgern symbolisiert.

Das lateinische Vokabel vulnerabel bedeutet verwundbar, verletzlich. Das ist aber jetzt nicht gemeint. An dieser Stelle steht es für empfindsam – und es steht für die Nähe dieser Zeitung zu ihren Lesern.

Diese Zeitung, keine Zeitung, kann das Virus besiegen. Die Zeitung kann berichten und jeden Tag aufs Neue versuchen aufzuklären. Die Zeitung kann aber noch mehr: Sie kann mit Worten berühren, vielleicht sogar trösten, jedenfalls auch unterhalten. Eine gute Zeitung muss mehr bieten als Informationen, Kommentare und Zusammenhänge. Eine gute Zeitung vermittelt Orientierung in einer verwirrten und verwirrenden Welt und Gefühl in einer oft gefühllosen Zeit. Eine sensible, eine mitfühlende Redaktion ist mit ihren Lesern durch ein unsichtbares Band verbunden.

Gedichte sind der schöne Versuch, Gefühle mit Worten auszudrücken. Für alle Empfindsamen – und jene, die ihre Empfindsamkeit noch besser entwickeln wollen – wird es ab nun jeden Samstag ein neues Gedicht geben. Das hat Tradition in dieser Zeitung. Dem „Krone“-Gründer Hans Dichand, der in zwei Wochen 100 Jahre alt geworden wäre, war es seit jeher wichtig, immer wieder Gedichte in der Zeitung zu haben. Menschen, die mit Gedichten in den Verlag gekommen sind, waren gerne gesehen.

Seit damals hat sich einiges verändert, die Sprache, wie wir denken, auch das Gesicht der Zeitung hat sich behutsam verändert. Es ist bloß, im Gegensatz zum menschlichen Gesicht, jünger geworden.

So verhält sich das auch mit einer Neuerung in der „Salzburg Krone“. Die Salzburger Schriftstellerin Katharina Ferner (hier stellt sie sich vor) schreibt ab heute jeden Samstag ein Gedicht - so lange es die Dichterin freut. Dichter können da sehr unberechenbar sein.

Katharina Ferners liebevolle Zweisprachigkeit, ihre Gedichte erscheinen immer in Schriftsprache und in der Spalte nebenan auf Salzburgerisch, sollen Empfindsamkeit und Gemeinsamkeit stärken.

Das brauchen wir jetzt.

 Salzburg-Krone
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