16.01.2021 06:00 |

Rote Liste erneuert

Steiermark: Artensterben im Rekordtempo

Die Rote Liste gefährdeter Tierarten wurde nach 40 Jahren für die Steiermark neu ausgearbeitet, 50 Wissenschafter waren an dem Mammutwerk beteiligt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Bis zur Hälfte aller heimischen Tierarten ist mittlerweile bedroht.

Generationendemenz: Ein Begriff, der zum Leben erweckt wurde, weil immer mehr Tierarten in immer kürzerer Zeit aussterben. „Als ich Kind war, gab es in Graz noch sehr viele kleine Gewässer. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen als Bub war, die Frösche bei den Eustacchio-Teichen zu beobachten. Meinem Sohn war das schon nicht mehr möglich, da es dort einfach nichts mehr zu sehen gibt“, veranschaulicht Werner Holzinger, Leiter des Grazer Ökoteams, die Entwicklung.

Update nach 40 Jahren
Unter der Leitung des 52-jährigen Biologen waren in den letzten zwei Jahren mehr als 50 Wissenschafter damit beschäftigt, die Rote Liste der gefährdeten Tierarten für die Steiermark nach 40 Jahren auf den neuesten Stand zu bringen. Ein erster Zwischenbericht liegt nun vor, die Erkenntnisse sind besorgniserregend: „Wir müssen davon ausgehen, dass mittlerweile zwischen einem Drittel und der Hälfte aller in der Steiermark heimischen Arten in ihrem Fortbestand bedroht ist. Und das Schlimmste: Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht!“, sagt Holzinger.

Blauracke: Noch vier Exemplare
Die Liste jener Tiere, die hierzulande für immer von der Bildfläche verschwunden sind, wird zusehends länger: Sie reicht vom Wisent über den Waldrapp bis hin zur Berghexe. Letzteres bezeichnet einen Schmetterling, der zuletzt 1964 in unseren Gefilden gesichtet wurde. „Die Höhlendeckelschnecke, die weltweit nur in der Bründlhöhle in Graz-Straßgang vorgekommen ist, wurde Anfang der 1980er-Jahre beim Bau des Plabutschtunnels ausgerottet“, nennt Holzinger ein weiteres Beispiel. „Aktuell sind der Frauennerfling, ein Fisch, die Hornotter oder etwa die Blauracke, von der überhaupt nur noch vier Exemplare bei Straden gezählt wurden, akut vom Aussterben bedroht“, ergänzt er.


Folgen für Wirtschaft
Johannes Gepp, der wohl bekannteste Naturschützer des Landes, hat in den 1980er-Jahren mit der Erstellung der ersten und bislang einzigen Roten Liste für die Steiermark wertvolle Pionierarbeit geleistet. Der 72-Jährige hat in seinem Leben schon viele Arten aussterben gesehen. Umso engagierter ist der Ökologe auch jetzt wieder bei der Sache dabei: „Die Daten müssen wirklich exakt sein. Immerhin dient eine solche Auflistung ja nicht nur uns Wissenschaftern, sondern wird auch als Entscheidungsgrundlage für alle großen Bauprojekte hergenommen“, erläutert Gepp.

Umdenken gefragt
Ob die Enkelkinder von Projektleiter Holzinger noch eine Blauracke kennen werden, würde - und das möchte der Fachmann betonen - von jedem einzelnen abhängen. Allein die intensive Land- und Forstwirtschaft sowie Straßenplaner als Verursacher abzustempeln, lehnt der Biologe ab: „Die Bedrohung der Artenvielfalt geht von uns allen aus. Unser Konsum- und Freizeitverhalten ist es, das die Wirtschaft regelt, und nicht umgekehrt!“.

In Auftrag gegeben hat die Neuerstellung der Roten Liste übrigens die Naturschutzabteilung des Landes und die Österreichische Naturschutzjugend. Die detaillierten Ergebnisse sollen Ende des Jahres in Buchform erscheinen.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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