25.11.2020 08:59 |

Micado Lienz

Osttiroler Know How für Skitouren

Der Winter steht vor der Tür und viele freuen sich bereits auf die ersten Skitouren. Was die wenigsten wissen, oftmals ist man dabei mit Hightech-Know How aus Osttirol unterwegs.

Wie viele Osttiroler zieht es auch Edwin Meindl regelmäßig zum Bergsteigen, Klettern und auf Tourenskiern in die Bergwelt. „Neben Osttirol und Südtirol bin ich viel und gern im Kärntner Mölltal unterwegs“, so Edwin zur „Bergkrone“. Doch was hat das alles mit uns Skitourengehern zu tun? Viel, denn neben Bergsport ist Technik die große Leidenschaft des 49-Jährigen, der 1998 das innovative Unternehmen Micado in Lienz gegründet hat.

Eine Hightech-Schmiede, deren Kundenliste sich wie das „Who is Who“ der Mobilitätsbranche liest und von Airbus, Boeing über BMW, Bugatti, Eurocopter, Ford bis hin zu Liebherr, Mercedes und Volkswagen reicht. Doch nicht nur die Auto- und Flugzeugindustrie lässt sich Produktionsanlagen von den Osttirolern entwerfen, auch Durst, Infineon oder Swarovski sind in der Referenzliste von Micado zu finden. Denn Edwin und sein Team aus Ingenieuren sind ständig bestrebt, Dinge einfacher zu machen.

Auch für uns. „Gemeinsam mit meinem Freund Günther Mussnig habe ich die Skidurchquerung Hoch Tirol gemacht. Ständig musste ich mit dem Skistock dabei die Steighilfe meiner Tourenbindung bedienen. Ich war müde und dachte mir, da muss es doch etwas Besseres geben“, erzählt der leidenschaftliche Techniker, den alle Dinge herausfordern, an denen andere gescheitert sind. Doch es gab nichts Gescheites. Die Idee für eine Tourenskibindung mit vollautomatischer Steighilfe war geboren.

Edwins Lösung ist gleichzeitig simpel wie genial und funktioniert ähnlich einer Wasserwaage. Wird der Aufstiegswinkel steiler, strebt eine biologisch abbaubare, frostgeschützte Flüssigkeit nach einem Ausgleich zwischen zwei separaten Kammern in der Bindung. Dadurch wird ein Kolben aktiviert, der die Steighilfe automatisch aufrichtet. Genauso verhält es sich auch, wenn der Aufstiegswinkel wieder flacher wird. „Das ganze funktioniert stufenlos“, erklärt Edwin: „Mehrere Bergführer und Tourengeher haben das System getestet. Anfangs hieß es, sowas braucht ja keiner, doch schlussendlich waren alle begeistert, auch weil man den Mechanismus und die Unterstützung beim Gehen nicht spürt.“

Trotzdem wollten große Ski- und Bindungshersteller anfangs nichts von Edwins Idee wissen. „Im Zuge der Entwicklung ist aber auch eine Freeridebindung entstanden, welche die Vorzüge einer Pin-Bindung für den Aufstieg mit der Sicherheit einer herkömmlichen Skibindung für die Abfahrt vereint“, so der 49-Jährige. Das Ergebnis ist die Atomic Swift, die bereits seit dem Vorjahr im Handel ist. Und für die kommende Wintersaison hat Atomic jetzt auch die Backland Autoclimb-Bindung angekündigt - mit Edwins vollautomatischer Steighilfe. Atomic arbeitet oft mit Micado zusammen, so ist der patentierte Skistopper der Lienzer in einer weiteren Atomic Backland Bindung verbaut und die Holzkerne der Atomic-Skier werden vollautomatisch von Robotern gefertigt, entwickelt von, richtig geraten, Edwin und seinem Micado-Team.

Begeistert von den Osttiroler Entwicklungen ist auch Thomas Gaisbacher. Der Lienzer zählt zu den weltbesten Extremskifahrern: „Die Atomic Freeride-Bindung Swift ist der Wahnsinn.“ Aus der Osttiroler Produktentwicklung sind aber noch andere tolle Sachen für Outdoor-Sportler entstanden: etwa das vollautomatische Sicherungsgerät Revo von Wild Country, die Konstruktion der legendären, unverwüstlichen Gloryfy-Sonnenbrillen oder der sicherste Mountainbikehelm der Welt, eine Mitentwicklung mit Seventwenty. Aktuell arbeiten die Osttiroler gemeinsam mit der Bergrettung Südtirol am Projekt „Resyst“, einer innovativen und einzigartigen Lawinendampfsonde mit integrierter Kamera und LVS-Antenne, welche die lebensrettende Arbeit der Bergretter verbessern soll. 

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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