25.10.2020 12:27 |

Bischof Zsifkovics:

„Ich brauch eine gute Atmosphäre“

Handyfotos von Ägidius J. Zsifkovics (siehe unsere heutige Burgenland-Printausgabe, Seiten 40/41) geben überraschende Einblicke. Der Eisenstädter Bischof liebt Motorräder und die Gotik. Gespräch über das Kind im Manne und die Suche nach Geborgenheit.


Herr Bischof, man hätte sich von Dir eine Marienstatue am Handy eher erwartet als die spritzige Maschine ...

Hinter dem Foto verbirgt sich ein persönlicher Jugendtraum: Ich wollte selbst immer ein solches Motorrad besitzen. Daheim gab es zwar ein Moped, aber zu einem richtig heißen Eisen ist es nie gekommen. Aber für den Josef aus unserer Familie hat sich der Traum verwirklicht.

Angesichts der Möglichkeiten junger Menschen heute – was würdest Du geben, um noch einmal in diesem Alter sein zu können?

Ich war sehr gerne jung, beneide die Jugend heute aber nicht darum, weil sie vor ganz anderen Herausforderungen steht. Wir konnten in unserer Jugendzeit viel unbeschwerter sein. Auch die enormen Wahlmöglichkeiten junger Menschen heute bergen Chancen, aber auch Überforderungen.

Das zweite Foto zitiert schon eher das bischöfliche Tagesgeschäft. Welche Kathedrale und warum?

Wenn man so ein Bild sieht, ist man sofort bei der Frage des Glaubens, letztendlich auch der Kultur. Es ist die berühmte Kathedrale von Straßburg, die ich im Vorjahr besuchen konnte anlässlich einer Seligsprechung. In dieser Kathedrale kann man die Gotik regelrecht einatmen, alles strebt nach oben, hin zum Licht.

Warum baut man so etwas heute nicht mehr?

Weil wir die volle Höhe menschlicher Bestimmung aus dem Blick verlieren. Auf dem Foto sieht man es: Der gerade Blick endet im finstern Winkel, doch oben wird es heller. Wenn wir als Menschen nur auf das irdische Ego konzentriert sind, ist der Tod das dunkle Ende. Aber wenn man auch das Darüber im Auge hat, dann entsteht Licht, Wärme und Sinn.

Ist es respektlos, wenn ich das nächste Bild tituliere mit „Drei spielende Kinder“?

Nein, das kann man so sagen. Das Selfie zeigt mich und meine Großneffen, zu denen ich seit ihrer Geburt eine sehr innige Beziehung habe. Ich verbringe viel Zeit mit ihnen, darf sie heranwachsen sehen. Es erinnert mich an meine eigene Kindheit, in der ich in einer Familie aufwachsen durfte, in der immer jemand für einen da war. Sogar die Urgroßeltern! Viele Kinder heute haben das nicht mehr.

Selbst in der Bibel gibt es „Work-Life-Balance“, wenn Gott am siebenten Tag nach Erschaffung der Welt ruhte. Wenn Priester, die mehrere Pfarren betreuen, spätabends heimkommen in ein oft leeres Pfarrhaus, produziert die Kirche damit nicht eine Kaste der Depressiven, Ausgebrannten und Süchtigen?

Diese Frage ist für die Zukunft der priesterlichen Lebensqualität mitentscheidend. Früher war es selbstverständlich, dass der Priester eine Haushaltshilfe hatte, oft noch die eigenen Eltern oder Verwandten. Das ist vorbei. Ich glaube, dass wir in der Kirche eine neue Lebenskultur aufbauen müssen. Der Priester ist auch Mensch. Dazu gehört eine familiäre Atmosphäre, in der man auftanken kann, das normale Leben einer Familie mit allen Freuden und Herausforderungen mitkriegt. Ich würde jedem raten, sich um Menschen zu bemühen, mit denen er auf diese Weise sein Leben teilen kann. Auch ich tue das.

Dein letztes Handyfoto zeigt Papst Franziskus aus ungewöhnlicher Perspektive. Ist Dir die Frontalansicht dieses vielfotografierten Papstes zu langweilig geworden?

Ich wollte ein Stück unter den päpstlichen Talar schauen. Mich haben die Schuhe interessiert. Damals hatten die Medien einen theologischen „Krieg der Schuhe“ herbeigeschrieben, man wollte die roten Prada-Schuhe von Papst Benedikt XVI. kirchenpolitisch gegen das schlichte Schuhwerk seines Nachfolgers ausspielen.

Und welche Schuhe trägt Papst Franziskus tatsächlich?

Es sind schwarze orthopädische Schuhe.

Kronen Zeitung

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