Die Gastronomie zählt fraglos zu den großen Corona-Verlierern. Und während die Branche ohnehin schon am Boden liegt, wird sie auch noch mit Füßen getreten.
Nach einem Frühling, der für die Gastronomie mehr oder weniger eine Nullnummer war, gab es im Sommer durchaus positive Zahlen zu verzeichnen - zumindest in den Tourismusregionen sowie in Bregenz, Feldkirch und Bludenz. In den Randgebieten, aber auch in der Messestadt Dornbirn war hingegen nur wenig los. Nichtsdestotrotz konnten die meisten Betriebe zwischenzeitlich ein klein wenig aufatmen. Michael Andreas Egger, der erst im November 2019 sein „Buongustaio Ristorante“ in Dornbirn eröffnet hatte, berichtet, dass es im August sogar in Richtung Normalbetrieb gegangen sei - unter anderem wegen der Senkung der Mehrwertsteuer auf fünf Prozent: „Die würde uns nämlich tatsächlich helfen. Allerdings nicht, wenn keine Leute da sind, was seit September leider wieder der Fall ist. Im Vergleich zum August hatten wir einen Einbruch von 50 Prozent.“
Besserung ist freilich nicht in Sicht. Im Gegenteil, denn derzeit werden so gut wie alle Weihnachtsfeiern gecancelt. Mike P. Pansi, Fachgruppenobmann der Gastronomie und Inhaber der „Kochmeisterei“ in Hohenems, hat normalerweise 40 bis 50 Reservierungen für die Monate November und Dezember. Dieses Jahr sind es exakt null. Wenn man weiß, dass das Weihnachtsgeschäft 30 bis 40 Prozent des Jahresumsatzes ausmacht, wird der Ernst der Lage klar: „Für viele Betriebe sind Weihnachtsfeiern überlebensnotwendig. Rein rechnerisch verdient der Unternehmer oft erst in den letzten beiden Monaten des Jahres selbst Geld. Davor werden Mitarbeiter, Pacht und Wareneinsatz bezahlt“, so Pansi.
Der Konsum ist wesentlich niedriger und Spaßfaktor kommt erst gar keiner auf. Vor lauter Hörigkeit und Angstgefühl ist nichts mehr los in der Stadt
Gastronom Reinhard Rauch
Dass die Gastronomie derart leidet, ist eine direkte Folge der verschärften Corona-Maßnahmen. So dürfen sich in geschlossenen Gastroräumen seit Neuestem nur mehr sechs Erwachsene pro Tisch zusammenfinden - da ist nur zu verständlich, dass Unternehmen ihre Weihnachtsfeiern absagen. Das Fass zum Überlaufen hat aber bereits die Vorverlegung der Sperrstunde auf 22 Uhr gebracht. Seitdem sei die Stimmung auch bei den Gästen komplett gekippt, berichtet Reinhard Rauch, ein Urgestein der Feldkircher Gastronomie: „Das RIO läuft halbwegs, leert sich aber unter der Woche oft schon vor 21.30 Uhr - rausschmeißen muss ich niemanden mehr. Der Konsum ist wesentlich niedriger und Spaßfaktor kommt erst gar keiner auf. Vor lauter Hörigkeit und Angstgefühl ist nichts mehr los in der Stadt. Schweizer und Liechtensteiner kommen keine mehr, die Älteren bleiben zuhause und die Jungen feiern halt woanders.“
Wo keine Arbeit, da auch kein Bedarf an Personal: Seit Einführung der Corona-Maßnahmen in Gastronomie und Hotellerie Ende September stieg die Zahl der Arbeitslosen in diesen beiden Branchen in Vorarlberg um rund 630 Personen. In vielen anderen Wirtschaftsbereichen sind die Zahlen hingegen rückläufig. Für Pansi steht fest, „dass dieser Anstieg auf die Vorverlegung der Sperrstunde zurückzuführen ist. Durch die Entscheidung des Landes, an der Sperrstunde festzuhalten, werden noch weitere Betriebsschließungen und Arbeitslose folgen“.
Die Nachtgastronomie trifft es natürlich am härtesten. Rauch etwa hat seinen Club bereits seit März geschlossen. „Selbst ohne Sperrstunde wäre ein Betrieb schwierig und die Kosten höher als der Verdienst. Damit haben wir uns schon abgefunden. Doch die 22 Uhr-Regelung ist einfach sinnlos.“ Dem kann der Dornbirner Junggastronom Egger nur beipflichten: „Das Mittagsgeschäft läuft recht gut, da darf ich nicht schimpfen. Die Abende und Wochenenden sind aber traurig. Ab Viertel nach Neun schauen die Gäste auf die Uhr. Als Konsequenz habe ich erneut um Kurzarbeit bis März angesucht, die Öffnungszeiten verkürzt und Montag- und Dienstagabend geschlossen.“ Immerhin: Ans Aufgeben denken diese drei Gastronomen nicht - noch nicht.
Christiane Mähr
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