28.08.2020 09:14 |

Informatiker fordert:

Menschen sollen selbst über ihre Daten entscheiden

Verletzungen des Datenschutzes haben das Vertrauen in die Wirtschaft und Unternehmen in den vergangenen Jahren untergraben. Zur Schaffung eines wieder vertrauenswürdigen Wirtschaftssystems plädiert der Informatiker und MIT-Professor Alex Pentland bei den Alpbacher Technologiegesprächen daher dafür, dass Menschen bzw. Gemeinschaften selbst über die Nutzung ihrer Daten entscheiden können sollen.

Pentland hat das Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) mitbegründet und forscht vor allem auf den Gebieten Soziophysik, Big Data, Künstliche Intelligenz und Datenschutz. Darüber hinaus hat er Unternehmen gegründet und berät die UN bzw. war davor für Beratungsgremien von Firmen wie Google, Nissan und AT&T tätig.

„Wenn Sie eine vertrauenswürdige Wirtschaft aufbauen wollen, müssen Sie zunächst mit Verlässlichkeit und Kontrolle beginnen“, argumentierte Pentland in einem Video-Beitrag. Heutzutage hätten die Menschen kein Vertrauen mehr in die Daten- und KI-Industrie, ja nicht einmal mehr in ihre Regierungen.

„Die Menschen wollen Kontrolle über ihre Daten haben und Ergebnissen vertrauen können, die durch künstliche Intelligenz und die Nutzung ihrer Daten erzielt werden“, argumentiert Pentland. Dafür brauche es zunächst Regularien wie Urheberrechte und eine Art digitale Identität: „Sie müssen die Möglichkeit haben zu sagen: Das gehört mir. Und Sie müssen ihr Territorium in der digitalen Sphäre abstecken können.“ In vielen Staaten sei dies nicht möglich.

Lizenzierung für Datennutzung nötig
Außerdem sollte man seine Daten nicht teilen müssen. Vielmehr sei eine Art Lizenzierung nötig: „Man soll sagen können, du kannst diese Daten für dies nutzen - aber eben nur für das“, so Pentland. Mit „Open Algorithms“ gebe es auch bereits eine Technologie dafür.

Verlässlichkeit sei aber noch nicht dasselbe wie Vertrauen, betonte Pentland. Vertrauenswürdig sei ein System für eine Gemeinschaft nur dann, wenn es in deren Interesse handle. Ausdruck dieses Vertrauens ist für ihn, wenn Menschen sich innerhalb ihrer Gemeinschaft und mit anderen Gemeinschaften austauschen und miteinander kommunizieren. Diese Kommunikation sei eine bemerkenswert guter Prädiktor für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts oder Verbrechensraten, so Pentland. Gemeinschaften müssten daher anfangen, darüber zu entscheiden, wie ihre Daten genutzt werden.

„Daten-Gewerkschaften“ wollen Kontrolle zurückgewinnen
Dafür gebe es auch Vorbilder in der Geschichte: Im späten 19. Jahrhundert hätten etwa Banken begonnen, Farmer auszubeuten - als Reaktion hätten diese Agrargenossenschaften gegründet und zurückgeschlagen. Um 1900 wären als Reaktion auf die Ausbeutung der Arbeitnehmer Gewerkschaften gegründet worden. „Jetzt sehen wir Menschen, die das Gleiche tun. Sie formen Organisationen - ich nenne sie gerne Daten-Gewerkschaften -, um Kontrolle zurückzugewinnen und jene Services zu bekommen, die sie auch verdienen.“

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 17. Mai 2021
Wetter Symbol